Archive for the ‘Politische Linke’ Category

Jenseits des Ingroup-Tellerrands geht´s weiter oder: Das Rätsel der Filterblasierten

Dezember 29, 2019

Bis heute und vermutlich noch bis an mein Lebensende ist es mir unerklärlich, warum Menschen sich so häufig mit den vermeintlichen Wahrheiten abzufinden scheinen, die sie in ihren sozialen Bezügen vorfinden – Familien, Freundeskreise, Sportvereine, Skat- und Spielerunden, Parteien, Religionsgemeinschaften etc. pp.

Klar: Jeder bevorzugt es, seelische Streicheleinheiten, ergo: Bestätigung durch mehr oder weniger sympathische Gleichgesinnte, Blutsverwandte etc. abzubekommen – soweit bin ich in meiner diesbezüglichen Daueranalyse auch schon gelangt! Aber weshalb so oft die Frage nach dem Wahrheitsgehalt einer Behauptung, geschweige denn einer kompletten politischen oder religiösen Weltanschauung nicht einmal gestellt wird – so jedenfalls meine Wahrnehmung – das entzieht sich einfach meiner Kenntnis!
Auch wieder klar: Ein konsequentes und intensives Forschen würde jede Menge zeitliche und energetische Ressourcen verschlingen; Ressourcen, die zulasten der Pflege sozialer Beziehungen, Hobbys, eventueller Kindererziehung etc. gehen würden. Also glaubt man i.d. Regel lieber unbesehen den „Alpha-Männchen und -Weibchen“ der eigenen sozialen Bezugsgruppe, seien es in meiner Biografie die neuapostolischen Amtsträger, später die Leitung der Bremer Greenpeace-Ortsgruppe oder ganz allgemein die persönlich bekannten oder medial vermittelten Vertreter des eigenen politischen Lagers.
Warum aber scheine ich einer der wenigen zu sein, denen relativ frühzeitig klar geworden ist, dass es nicht damit getan sein kann, den neuapostolischen Erwählungsglauben, die ökokalyptischen Schauermärchen über zivile Atomkraft und Pflanzengentechnik oder die „Alles-ist-gut-Philosophie“, ergo die Eigensuggestion liberaler Selbstzufriedenheitsmythen unhinterfragt aufzusaugen? Hier bleibt ein großes Fragezeichen, das sich vermutlich nie restlos wird verflüchtigen können…
In Zeiten wie den heutigen, in denen immer offensichtlicher zu Tage tritt, wie massiv fortgeschritten die Einigelung in die diversen Filterblasen-Kuschelgruppen zu sein scheint, kann also nur ein beherzter Blick über den Tellerrand des eigenen weltanschaulichen Schützengrabens angezeigt sein.
Im politisch linken Spektrum zählt neben Boris Palmer (Tübinger Oberbürgermeister, Die Grünen) auch Nils Heisterhagen (Politologe, SPD) zu der raren Spezies aufrechter Verweigerer eines vermaledeiten Lagerdenkens, die hier Duftmarken in punkto Klartext setzen. Aus diesem Grund folgt nun an dieser Stelle ein Auszug aus seinem Buch „Die liberale Illusion“:

Laut der polizeilichen Kriminalstatistik sind 14.059 Taschendiebstähle im Jahr 2014 allein in Köln begangen worden. 7002 Taschendiebstähle waren es 2010. Das ist eine Verdopplung in vier Jahren. Ohne mir den Zorn der liberalen Moralisten aufhalsen zu wollen – gut, mit diesem Buch mache ich ihnen ohnehin keine Freude – und ohne dafür einen statistischen Beleg zu haben, darf und will ich sagen: Mit großer Sicherheit haben wir es hier mit organisierter Kriminalität zu tun. Wahrscheinlich sind hier Banden aktiv – und die kommen meist aus Osteuropa. Der durchschnittliche deutsche Hartz-IV-Empfänger wird sich nicht morgens überlegen: ‚Oh, heute beklaue ich mal Touristen am Kölner Dom.‘ Ausländer, aber natürlich nicht nur sie, begehen in Deutschland Verbrechen – und nicht gerade wenige. Das darf und das muss man sagen dürfen, ohne in die Ecke derer gestellt zu werden, die durch ihr ‚Das darf man ja wohl noch sagen dürfen‘ eigentlich gleich in die rechte Ecke gestellt werden.
Die
liberalen Moralisten aber wollen es anders. Sie wollen ausgrenzen und Kritiker mit Kategorien versehen. Sie wollen nicht hören, dass es unangenehme Probleme gibt. Das passt nicht in ihr Weltbild. Das stört sie in ihrem Glauben an den Multikulturalismus und in ihrer Vielfaltseuphorie. Wolfgang Streek sprach in der ZEIT in einem Essay zuletzt von einer ‚überschwänglichen Buntheitsrhetorik‘. Er hat recht. Aber wie sieht es bei den Flüchtlingen aus, dem Lieblingsthema der neuen Liberalen? Ist da alles auf einem guten Weg? Journalisten von ZEIT ONLINE haben sich die Mühe gemacht, die polizeiliche Kriminalstatistik für 2016 in Hinblick auf die Kriminalität von Zuwanderern zu prüfen, und konnten sechs Trends ausmachen:

1. Die Gewaltkriminalität nimmt wieder zu. Und das liegt vor allem an den Taten von Zuwanderern.

2. Die tatverdächtigen Gewalttäter sind hauptsächlich junge Männer.

3. Einige wenige junge Intensivtäter treiben die Statistik nach oben.

4. Syrer, Iraker und Afghanen werden im Vergleich zu anderen Nationalitäten seltener straffällig.

5. Die Mehrzahl der Körperverletzungen ereignet sich in Flüchtlingsunterkünften.

6. Die meisten Gewaltopfer von Zuwanderern sind selbst Zuwanderer.

Nils Heisterhagen: Die liberale Illusion. Warum wir einen linken Realismus brauchen. 2. Aufl. Bonn 2018, S. 117f.

„Family structures“ ohne Klartext – die Flüchtlingsthematik im Englischunterricht der hessischen Fachoberschule

November 30, 2019

Dass es sich bei der Flüchtlingsthematik um kein vorübergehendes Phänomen handeln würde, dürfte den meisten Menschen innerhalb der Bundesrepublik schon seit einiger Zeit, spätestens seit dem berüchtigten „Flüchtlingssommer“ 2015 mit all seinen Folgewirkungen wie der Kölner Silvesternacht und diversen Anschlägen/ Anschlagsversuchen Schutzsuchender aus islamisch dominierten Ländern klar geworden sein.

Selbstverständlich hat sich auch die Schulpolitik bereits seit geraumer Zeit des Themas angenommen und bspw. im Bereich der Fachoberschulbildung des Landes Hessen bis einschließlich des Abschlussjahrgangs 2019 im Fach Deutsch u.a. die Behandlung des Themenkomplexes Migration/Integration vorgesehen. Während hier jedoch keine weitergehenden inhaltlichen Spezifizierungen vorgenommen wurden, findet sich im Fach Englisch schon ein klein wenig mehr dazu:
So findet sich unter dem Schlagwort „Society and migration“ („Gesellschaft und Migration“) der Hinweis auf zu behandelnde „intercultural encounters / causes for migration and its effect on society“ („interkulturelle Begegnungen / Migrationsursachen und ihre Einflüsse auf die Gesellschaft“).

Die Umsetzungsempfehlungen (siehe S. 16/17) hierzu legen den Lehrkräften die Thematisierung folgender Aspekte sowie die Anwendung dieser Methoden nahe:

„Schriftliches Verfassen von Dialogen und mündliches Rollenspiel, Diskussionsforen (panel discussion) zum Stichwort: ‚family structures‘, mit Sicht auf ‚relationships, disintegration of families‘.
– Schriftliche Übungen zur Arbeitsform Gelenkte Interpretation (‚guided interpretation‘) unter besonderer Berücksichtigung der Aspekte Personencharakterisierung, Beschreibung der Wechselbeziehung zwischen Atmosphäre, Schauplatz und den Charakteren (‚characterization‘, ’setting‘, ‚atmosphere‘), Wortschatzübungen, Bildbeschreibungen (Kunst, Fotos, akustisches Material), zur Vorbereitung der gelenkten Interpretation.
– Vergleiche von fiktionalen Texten (z.B. short stories, poetry, songs) und Sachtexten aus Printmedien oder populärwissenschaftlichen Darstellungen zum Thema: ‚ageing‘.
– Kreatives Schreiben von Texten, z.B. Leserbriefen an ‚agony aunt‘ (Kummerkasten, ‚asking for advice‘) zum Stichwort: ‚family structures‘, oder Gestalten eines Werbetextes für ein Produkt für sog. ‚best agers‘, zum Stichwort: ‚demographic development‘.
– Mündliche Berichte, Präsentationen zu Traditionen, kulturellen Besonderheiten, Feiertagen, ‚do’s‘ und ‚don’ts‘ durch Schüler verschiedener ethnischer Herkunft zum Stichwort: ‚intercultural encounters‘.
– Übungen zum Erwerb interkultureller Kompetenzen (Interpretation von ‚critical incidents‘; Simulationen und Rollenspiele zu interkulturellen Begegnungssituationen; Übungen zu Selbst- und Fremdwahrnehmung und zum Umgang mit Vorurteilen und Stereotypen).“

Theoretisch ermöglichen diese Vorgaben also durchaus, sich u.a. kritisch mit patriarchalen Geschlechterbildern und freiheitsfeindlichen „family structures“, „do’s“ und „dont’s“ streng-religiöser muslimischer Communitys auseinanderzusetzen. Die wenigen auf Deutsch publizierenden Islamkritiker/innen wie Necla Kelek schreiben sich schließlich seit beinahe zwei Jahrzehnten die Finger darüber wund!

Und wache Beobachter wie Imad Karim machen ebenfalls keinen Hehl daraus, ihre Besorgnis erregenden Erfahrungen – hier mit Teilen der syrischen (Flüchtlings-) Gemeinde in Deutschland – in die Öffentlichkeit zu tragen. Über die drei größten Facebook-Portale syrischer Zugewanderter mit jeweils über 100.000 Nutzern schreibt er:

„Dort traf ich unter denen, die posteten und kommentierten, nahezu ausschließlich auf Leute, die im politischen Islam das Allheilmittel für die Lösung ihrer Probleme sehen. Diese Gruppen werden dominiert von Menschen, die das westliche Lebensmodell regelrecht verachten. Es gab nur selten Kommentare von Syrern, bei denen man sich vorstellen mag, dass sie künftig ein Teil unserer offenen Gesellschaft sein könnten.“

Wie in schroffem Kontrast dazu die Schüler-Erarbeitungen einer hessischen Fachoberschulklasse im Fach Englisch aussehen (entstanden im Oktober 2019), habe ich einmal – verteilt über diesen Beitrag – fotografisch festgehalten (da ich als Deutsch- und Ethiklehrer an dieser Schule arbeite). An keiner einzigen Stelle wird die Islamismus-Problematik auch nur angedeutet, ständig ist von „no racism“, „no prejudices“ (keine Vorurteile) seitens der deutschen Aufnahmegesellschaft die Rede! Offensichtlich ist sich die/der Kollege/-in selbst nicht im Klaren darüber oder traut sich nicht, hier mit den Schülern Tacheles zu reden.

Aber sicher sind meine Erwartungen wieder einmal deutlich überzogen, wenn selbst „Law-and-Order“-Innenminister Seehofer (CSU) trotz seines berühmten „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ nun hiesigen stockkonservativen Moscheegemeinden (denn liberale gibt es spätestens seit der Säuberungsaktion durch Erdogans Religionsbehörde DIYANET mit Ausnahme der Ibn-Ruschd-Goethe-Moschee in Berlin wohl keine mehr) 7 Mio. Euro für die „Stärkung des Zusammenhalts“ spendieren will – von Evaluationsbestrebungen ist mir hingegen nichts zu Ohren gekommen!

Von Hörsaalsprengern und Tabuverhängern – zum Toleranzverständnis vorgeblicher Toleranz-Fetischisten

Oktober 31, 2019

Wenn der Bundespräsident höchstselbst zu mahnenden und warnenden Worten anhebt, dann ist meist irgendwo in diesem Land ein Kind in den Brunnen gefallen – im übertragenen Sinne, versteht sich!

Es dürfte zudem ein Novum gewesen sein, als Frank-Walter Steinmeier vor einer knappen Woche das „offene Ohr“, das „beherzte Wort“, die „schonungslos ehrliche, aber auch respektvolle Auseinandersetzung“ als Tugenden pries, die auch und gerade im Diskurs mit dem Andersdenkenden zu gelten hätten – und damit auf die von linksextremistischen „Aktivisten“ verhinderten Lesungen von Ex-AfD-Chef Bernd Lucke (wohlgemerkt über „Makroökonomie“, Uni Hamburg) und Ex-CDU-Innenminister Thomas de Maizière (Buchvorstellung in eigener Sache, Göttinger Literaturherbst) anspielte.
Derlei „aggressive Gesprächsverweigerung, Einschüchterung und Angriffe“ seien demgegenüber völlig fehl am Platz.

Und in der Tat: Ist doch für den politisch interessierten Beobachter längst offenkundig, dass ausgerechnet aus den Kreisen, die gewöhnlich für „Offenheit“, „Toleranz“, „Diversität“ sowie „Bunt statt braun“ lautstark auf die Straße und sämtliche Social-Media-Kanäle ziehen, eine mitunter schroff-aggressive Diskursverhinderung betrieben wird, steht der oder die politische Gegner/in auch nur entfernt im Verdacht, dem mehr als schwammigen politischen Prädikat „rechts“ anzuhängen.

By the way: Bei der Aktion in Göttingen beteiligten sich u.a. Mitglieder der dortigen „Fridays-For-Future“ (FFF)-Gruppe; einer Bewegung, die in Teilen mittlerweile fundamental-religiöse Züge angenommen hat und selbst Kritiker aus dem eigenen politischen Lager mit Shitstorms überzieht, falls diese nur ein Jota vom allein seligmachenden Kurs abweichen sollten, wie dies der atheistische Autor Philipp Möller nach seiner dementsprechenden Facebook-Kritik an FFF (Scrollen bis Beitrag vom 26. September) am eigenen Leib zu spüren bekam.
Doch es mehren sich die Hinweise, die auf eine auch von linksliberalen Kräften gestützte Front gegen derlei „empörialistische“ Exzesse hoffen lassen: Gab doch jüngst sogar das „Zentralorgan von Bündnis 90/Die Grünen“, ergo die altehrwürdige Wochenzeitung „Die Zeit“, zu, die Meinungsfreiheit in Deutschland sei gefährdet – und zwar von rechts UND LINKS (!). 63 % der befragten Bürger/innen vertraten die Meinung, man müsse dieser Tage mit der öffentlichen Äußerung bestimmter Ansichten Vorsicht walten lassen – etwa bei einer kritischen Haltung gegenüber „Ausländern“. Und auch der streitbare bündnisgrüne Tübinger OB Boris Palmer zeigte sich prompt erleichtert über dieses mediale Zugeständnis, sei er selbst doch wiederholt als Rassist verleumdet worden, wenn er auf teils signifikant über dem Bevölkerungsdurchschnitt liegende Kriminalitätsraten Geflüchteter hingewiesen habe.
Versteht sich von selbst, dass derlei Hörsaalsprengungen und durchgesetzte Diskurstabus wie an der Hamburger Alma Mater sowie im Alten Göttinger Rathaus mit Sicherheit denjenigen Kräften in die Hände spielen, gegen deren Versammlungen ansonsten linkshysterische Aufmärsche anbranden, als rüsteten sich Björn Höcke oder Opa Gauland zum sofortigen Einzug in die einstige Reichskanzlei.
Über die Rolle Luckes für die Wegbereitung völkischer Kräfte in der AfD muss selbstverständlich geredet werden können – ebenso wie über de Maizières mögliche Verantwortung für Waffenlieferungen an nahöstliche Despotenregime à la Erdogan. Auch vor einem mitunter scharfen Tonfall sollte dabei niemand mimosenhaft zurückzucken – eine Blockade von Veranstaltungsräumen jedoch signalisiert: „Seht her, wir sind die moralisch Guten und werden mit einem heldenhaften Akt an Zivilcourage XY als moralisch böse anprangern, ihn/sie an der Verbreitung von reaktionärem Gedankengut hindern!“
Was jene politischen Moralisten auf vulgärpazifistisch-bellizistischer Mission dabei jedoch vergessen, ist, dass auch ihre Blockadeabsicht einen Akt reaktionären Handelns ausmacht. Anstatt (möglichst sachlich) zu streiten, lautet deren Parole: Fresse halten!
In diesem Zusammenhang sei an ein treffendes Bonmot aus dem Munde von Altkanzler Helmut Schmidt erinnert, welches „Die Zeit“ seit Einführung ihres neuen Ressorts „Streit“ regelmäßig diesem voranstellt:

„Eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist keine.“

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Sommerliche Freibad-„Jugendstreiche“: der WDDR und die „edlen Wilden“

August 11, 2019

Ich verabscheue das unselige Wort von der „Lügenpresse“, unterstellt es doch eine dauerhafte und womöglich „von oben“ vorgegebene Berichterstattung, die an den Realitäten nicht nur vorbeigeht, sondern diese bewusst ins Gegenteil verkehrt.

Aber nach dem neuesten Beitrag des WDR-Politikmagazins „Monitor“ vom 8. August unter dem Titel „Aufruhr im Freibad: Vom Jugendstreich zum Terrorakt“ beginne ich langsam zu verstehen, wie politische Agitation à la DDR („Schwarzer Kanal“ mit Karl-Eduard von Schnitzler) funktioniert.
Der Beitrag fokussiert sich stark auf die Vorfälle im Düsseldorfer Rheinbad, welches aufgrund jugendlichen Fehlverhaltens innerhalb dieses Sommers bereits dreimal vorzeitig schließen musste. Tenor des Berichts: alles halb so wild, Politik (die AfD spricht von Migranten, die andere Badegäste „terrorisieren“ würden) und Medien übertreiben heillos!
Als „Monitor“-Hauptaugenzeuge kommt dabei der Polizist Tim Fliegel zu Wort. Während sich der Düsseldorfer OB Thomas Geisel (SPD) in einer Pressekonferenz zu den Vorgängen gar dahingehend äußerte, es habe lediglich „lebendiger Badebetrieb“ geherrscht und einige Jugendliche hätten halt ein wenig „Quatsch“ gemacht!

Es soll hier gar nicht weiter um die Vorfälle in Düsseldorf gehen: Möglicherweise wurde hier tatsächlich von verschiedener Seite aufgebauscht, was jedoch sehr verwunderlich wäre, zumal das Rheinbad in diesem Sommer wie gesagt ganze dreimal geräumt wurde.
Was aber viel wichtiger ist: Die gehäuften Berichte von Übergriffen durch Jugendliche, häufig mit Migrationshintergrund, welche aus anderen Bädern quer durch die Republik gemeldet wurden, spielen im „Monitor“-Bericht so gut wie keine Rolle. Man habe Badbetreiber in den zwanzig größten deutschen Städten angeschrieben, ob es dort zu „Randale“ oder Badräumungen gekommen sei. Später ist dann nur noch von Letzteren die Rede (Warum?). Ergebnis: Außer in Düsseldorf habe es in den letzten Jahren nur in Berlin einen vorzeitigen Abbruch des Badebetriebs gegeben. Dabei muss es doch gar nicht erst zum Äußersten kommen, um von einer Besorgnis erregenden Entwicklung hinsichtlich gehäuften jugendlichen Fehlverhaltens auszugehen. Zudem: Mit welcher Begründung beschränkt sich „Monitor“ auf Freibäder in lediglich zwanzig Städten? Und warum kommen anderweitig dokumentierte Fälle von „Randale“ wie in Kehl (bei Straßburg), Nürnberg und München im Bericht mit keinem Wort vor?
Anders als der offenbar rot-grün ideologisierte WDR zeigen Berichte anderer ARD-Mitgliedsanstalten (z.B. SWR und BR) sehr wohl, dass es ernsthafte Probleme mit überwiegend migrantischen Jugendlichen gibt. Auch wenn die Rolle der Herkunft der Täter im BR-Beitrag durch Prof. Wolfgang Kaschuba relativiert wird, so erkennt man doch, dass die im Beitrag behandelten Verursacher der „Jugendstreiche“ durchweg nicht-deutsche Wurzeln haben dürften.

Abschließend resümiert Georg Restle, Programmleiter bei „Monitor“ wortwörtlich:

„Wann endlich lernen auch wir Journalisten abzuwarten, bis die Fakten auf dem Tisch liegen? Nicht alles zu glauben, was einem die Polizei erzählt? Und mal darüber nachzudenken, welche Auswirkungen eine solche Berichterstattung auf eine Gesellschaft hat, deren Debatten zum Thema Flüchtlinge sowieso schon völlig überhitzt sind.“

Erstens unterstellt er hier der Polizei pauschal, die Unwahrheit zu sagen (wobei wie erwähnt im Bericht nur ein einziger Polizist als Augenzeuge herangezogen wurde). Und zweitens beklagt Restle eine „Überhitzung“ der Debatte, die AUCH sein ideologisierter Scheuklappen-Gesinnungsjournalismus erst so richtig (und berechtigt!) zum Kochen bringt!
Man muss sich nicht gleich auf die Seite der AfD schlagen, die ja bekannt dafür ist, Fehlverhalten auf migrantischer Seite genüsslich hochzustilisieren (während rechtsextreme Morde wie an Walter Lübcke höchstens pflichtschuldig bedauert und tendenziell eher kleingeredet werden), aber auch im linksliberalen Spektrum existieren zahlreiche Anhänger einer undifferenzierten Pro-Migrationssicht, die erst einmal ihre Hausaufgaben erledigen sollten, bevor sie sich über „Populismus“ (natürlich nur den der anderen!) aufregen…

No-go nackte Männerbrüste und Kant-Seminare: über stammhirniges Stammesdenken diverser Anti-Bewegter

Juli 25, 2019

Zu welchem bizarren Auswüchsen ein Übermaß an politisch korrektem Antirassismus/-sexismus führen kann, habe ich bereits in meinem Blogbeitrag vom Januar 2018 aufgezeigt – damals ging es um das ach so sexistische „Avenidas“-Gedicht Eugen Gomringers an der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule Berlin.

Eineinhalb Jahre und mehrere Umdrehungen der nach oben offenen Empörialismusskala diverser Anti-Bewegter später lässt sich konstatieren: Da ist immer noch Luft nach oben! Mariam Lau berichtet in ihrem Artikel „Dein Glück ist mein Unglück“ im aktuellen Feuilleton der ZEIT über ein „plumpes Stammesdenken“, welches bisweilen mit einem entsprechenden Szene-Engagement einhergehe.
Eingangs gibt Lau einen kurzen Einblick in den Ablauf eines „Antirassismustrainings“. Diese Workshops seien momentan derart von zahlreichen Unternehmen, Verwaltungen und NGOs nachgefragt, dass die meisten „ausgebucht“ meldeten:

Eine Standardübung läuft so: Alle Teilnehmer stellen sich an die Wand. Die Leiterin liest ihnen Sätze über Privilegien vor. Wer glaubt, dass ein Satz auf ihn selbst zutrifft, tritt einen Schritt nach vorn. Wer am Ende ganz vorn steht (und alle anderen hinter sich gelassen hat), ist mit Sicherheit weiß – und schämt sich. Die Sätze, die aus einem Leitfaden der amerikanischen Autorin Peggy McIntosh stammen, lauten etwa: „Ich kann mit vollem Mund reden, ohne dass Menschen das auf meine Hautfarbe zurückführen.“ Oder: „Ich muss meine Kinder nicht dazu erziehen, sich zu ihrem eigenen Schutz über Rassismus bewusst zu sein.“

Nun will ich den Sinn solcher Trainings nicht gänzlich in Abrede stellen, frage mich aber schon, was derartige Sätze wie der oben zuerst zitierte sollen… Ganz abgesehen von der Tatsache, dass hier soziale Hierarchisierung ausschließlich anhand äußerer (Haut-)Merkmale thematisiert wird, während monetäre gänzlich außen vor bleiben. Wäre es nicht mindestens ebenso relevant, das auch hierzulande pervers große Gefälle zwischen Arm und Reich viel mehr in den Mittelpunkt politischen Aktivismus zu stellen? Doch sei´s drum…
Nach einem kurzen Abriss wichtiger Erfolge linker „Identitätspolitik“ (Eintrag „divers“ im Geburtenregister, Homo-Ehe) geht die Autorin des besagten ZEIT-Artikels auch auf neuerliche Auswüchse des Ganzen ein:

„Oft schlägt aber das befreiende Anliegen des Antirassismus oder Antisexismus um in ein beängstigendes Fuchteln mit Maßregelungen, Kränkungen, Schuldzuweisungen und Strafen. […] An der Berliner Humboldt-Uni musste die Polizei anrücken, weil Studenten den Seminarbetrieb lahmlegten, um zu verhindern, dass Schriften von Kant oder Rousseau diskutiert werden, die sie für Rassisten hielten. […] Man könnte von einem neuen Stammesdenken sprechen. Es kommt nicht mehr darauf an, was gesagt wird. Sondern wer etwas sagt. Spricht ein Weißer oder eine Person of Color? Spricht ein heterosexueller Mann – die Rede ist von ‚toxischer Männlichkeit‘ – oder eine Muslimin?“

Selbstverständlich war der „große Aufklärer“ Kant nach heutigen Maßstäben Rassist – so what? Gerade im Rahmen einer universitären Veranstaltung dürfte, ja müsste dies auch hinreichend problematisiert werden – der Artikel lässt jedenfalls nichts Gegenteiliges annehmen. Im Übrigen ebenso, wie dies im schulischen Standard-Geschichts- und Politikunterricht in Bezug auf autoritäre Regime à la NS oder SED der Fall ist.
Doch weiter im Kindergarten des überbordenden Anti-Zirkusses: Lau schreibt weiter:

„Der Einteilung der Menschheit in Weiße und People of Color, in heterosexuelle Männer und LGBTQI (lesbisch, schwul, bi, trans, queer, intersexuell) entspricht die Einteilung in Täter und Opfer. Der Sexualpädagoge Marco Kemmholz warnt. ‚Eigenschaften, die gesellschaftlich von Vorteil sein könnten, wie etwa heterosexuell, männlich, nicht behindert oder weiß zu sein, werden schon an sich als Bedrohung oder Übergriff für als verletzbar geltende Gruppen wahrgenommen. ‚ Die taz berichtete über ein Antirassismuscamp, auf dem ein Bezirk mit Flatterband abgezäunt war, den nur betreten durfte, wer sich als Person of Color identifizierte. Ein Auftritt der Band Feine Sahne Fischfilet im ArbeiterInnen- und Jugendzentrum Bielefeld musste unterbrochen werden, weil der Drummer im Eifer des Gefechts sein T-Shirt ausgezogen hatte. Arglos gab er zu seiner Verteidigung an, er habe halt geschwitzt – aber damit kam er nicht durch. Sexuell Traumatisierte hätten durch seine nackte Brust erneut traumatisiert werden können, lautete der Vorwurf.“

Bleibt zu hoffen, dass Mariam Lau und ihrer nüchtern-rationalen Betrachtung des Themas kein Shitstorm so wie vor einem Jahr im Zusammenhang mit ihrer Kommentierung der Flüchtlingskrise im Mittelmeer folgt. Unter der irreführenden Überschrift „Oder soll man es lassen?“ suggerierte ihr Beitrag damals, sie plädiere für das Ertrinkenlassen von Hilfsbedürftigen, was Lau aber nie vertrat, was man auch problemlos hätte bemerken können, wenn man denn ihren Artikel tatsächlich komplett gelesen hätte…

Selektive Satirophobie schariakonformer Salonlinker – zur Kritik an der Vergabe des Hedwig-Dohm-Preises an die religionskritische Karikaturistin Franziska Becker

Juni 29, 2019

Eingenässte Päpste, gottlose Ferkel, bombenbewährte Religionsstifter – politische, zumal religionskritische Satire hat hierzulande schon für jede Menge Schlagzeilen und Sendezeit gesorgt – und das nicht nur, wenn dabei der Islam Thema war.

Doch kam im ersteren Fall das Satiremagazin „Titanic“ dank einer zurückgezogenen Anzeige des seinerzeitigen Papstes noch gut weg, und konnten sich auch die Macher des atheistischen „Ferkel“-Buchs gerade noch gegen eine drohende Indizierung aufgrund von Antisemitismusvorwürfen zur Wehr setzen, so waren die Konsequenzen für den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard im Zusammenhang mit dem von ihm gezeichneten „Bombenturban“-Mohammed wesentlich verheerender: Polizeischutz inkl. versuchter Tötung durch einen axtschwingenden somalischen Islamisten zum Jahreswechsel 2010/2011!

Und da es in nicht unbedeutenden Teilen des linksliberalen Hypertoleranz-Milieus seit eh und je zum guten Ton zu gehören scheint, in Muslimen per se die „Verdammten dieser Erde“ (Frantz Fanon), ja eigentlich mehr „Kuscheltiere“ (Ahmad Mansour) als menschliche Individuen zu erblicken, war es tatsächlich nur eine Frage der Zeit, wann die Nachricht von der Vergabe des an die deutsche Feministin Hedwig Dohm (1831 – 1919) erinnernden gleichnamigen Preises an die langjährige EMMA-Karikaturistin Franziska Becker einen Aufschrei bei taz und Konsorten verursachen würde: Hatte sich die zu Ehrende doch erfrecht, in ihren häufig religionskritischen Zeichnungen verschleierte muslimische Frauen in den Fokus zu rücken:
So wirft ihr in der taz-Ausgabe vom 26. Juni Hilal Sezgin etwa vor, es sei falsch, „zu verharmlosen, wie stark nicht nur die Emma, sondern eben auch Becker an der Konstruktion, Verbreitung und Verhärtung eines Klischees mitgearbeitet haben, bei dem so viele ‚linke‘ Feministinnen mit ultrarechten Durchschnittssexisten übereinstimmen: dem Klischee von der scheinbar zwangsläufig unterdrückten, verblödeten, jeder Individualität beraubten kopftuchtragenden Frau.
Immer wieder hat Becker die plattesten Figuren gezeichnet: muslimische Polizistinnen, die mit einer Axt herumlaufen; Richterinnen, die fürs Gebet ständig den Prozess unterbrechen; verhüllte Frauen, die sklavisch ihren Männern folgen.“

Und Jakob Augstein, Herausgeber des FREITAG, erteilt Becker dahingehend eine Lektion in schariakonformer Salonlinkenmanier, ein gelungener Polit-Cartoon habe gefälligst die „Großen klein [zu] machen“ und dürfe nicht „auf die treten, die ohnehin unten sind“.

Wie gesagt: Muslime sind für Augstein automatisch die „Opfer“ einer latent rassistischen Gesellschaft, und laut Sezgins Logik dürfte es übrigens keinerlei Blondinen- oder Ostfriesenwitze oder dergleichen geben, funktionieren diese doch nur aufgrund des unterstellten Klischeecharakters der jeweils Verspotteten. Niemand Ernstzunehmendes käme doch auf den Gedanken, alle blonden Frauen für exakt so dämlich zu halten, wie sie in diesen Witzen dargestellt werden. Und ebenso dürfte wohl auch niemand alle verhüllten muslimischen Frauen für Axt schwingende Killerinnen oder auf das Gebet zwangsfixierte Glaubensmarionetten halten – wobei einem Klischee bekanntlich immer ein Kern Wahrheit zugrunde liegt!

Aber in Bezug auf den Islam bzw. seine politischen Auswüchse haben viele linke Kulturrelativisten diese(n) eben schon seit Längerem quasi unter Artenschutz gestellt. Doch statt die Anzahl der Islamisten in Deutschland dadurch abzuschmelzen, verzeichnet der jüngste Verfassungsschutzbericht für das zurückliegende Jahr 2018 sogar einen Anstieg um knapp 800 auf 26.560.
Und auch, wenn aktuell der mutmaßliche Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und damit die Frage nach den Organisationsstrukturen des Rechtsterrorismus die Debatte beherrscht, so gilt es, gerade dieses Spektrum des Extremismus scharf im Blick der Sicherheitsbehörden, aber auch der Sozialarbeit zu behalten.

Für die Politsatire/das politische Kabarett hierzulande gilt wohl auf unabsehbare Zeit folgende Äußerung eines der wenigen Querdenker dieser Szene, Bruno Jonas:

„Wer den linken Laufstall überschreitet, wird als Abtrünniger behandelt. Logische Argumente spielen dabei keine Rolle. Humor, Selbstironie und Querdenken sind im linksgrünen Bereich nicht erwünscht. […] Ja, ja, ich weiß, wer den Islam kritisiert, ist islamophob. Ich bin vor über 43 Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten, hab nie aufgehört, sie zu kritisieren, aber noch nie hat mich deswegen einer katholophob genannt.“
Quelle: Wolf Reiser: Witzischkeit und ihre Grenzen. In: CICERO 3/2019, S. 23

Antiwestlich, autoritär, menschenverachtend: „DIE LINKE“ und der Mythos des unbefleckten Sozialismus Venezuelas

Februar 25, 2019

Sie können es partout nicht lassen: Maßgebliche Mitglieder der Partei „DIE LINKE“ waren sich am Wochenende beim Bundesparteitag in Bonn nicht zu dämlich dafür, mit einer Solidaritätsaktion zugunsten des diktatorisch regierenden venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro unter Beweis zu stellen, wes Geistes Kind diese moralisch verpeilten Jammergestalten tatsächlich sind!

Treibende Kräfte sind hier allem Anschein nach Heike Hänsel, Vize-Vorsitzende der Linksfraktion, Dieter Dehm und Sevim Dagdelen (der es hinsichtlich Erdogans faschistoider Repressionspolitik dagegen nicht kritisch genug sein kann!).

Dabei pfeifen es längst alle Spatzen von den Dächern, mit welch brutaler Menschenverachtung Maduros Schergen gegen die Aufständischen im eigenen Land vorgehen: Nicht etwa die US-Regierung, sondern keine geringere Organisation als Amnesty International äußert sich unmissverständlich zum Vorgehen der realsozialistischen Maduro-Clique:

„Unter dem Befehl des venezolanischen Präsidenten Maduro haben Sicherheitskräfte außergerichtliche Hinrichtungen durchgeführt und exzessive Gewalt angewendet. Sie haben Hunderte Menschen willkürlich inhaftiert, darunter auch Jugendliche. Mit dieser Eskalation repressiver Politik soll die venezolanische Bevölkerung kontrolliert werden. Insbesondere Bewohner der verarmten Stadtteile sollen bestraft werden, die zwischen dem 21. und 25. Januar gegen die Regierung protestiert hatten.“

Laut Politikwissenschaftler Tom Mannewitz handelt es sich noch immer um die alten antiwestlichen und antiimperialistischen Reflexe des kommunistischen Erbes der Partei, da bekanntlich US-Präsident Donald Trump als einer der globalen Protagonisten für den angeblichen „Putschversuch“ von Maduros Heraudforderer Juan Guaidó in Erscheinung tritt.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich ist es legitim, an der (vorschnellen?) Anerkennung Guaidós u.a. durch die Bundesregierung Kritik zu üben. Dies geschieht ja auch durch ein wissenschaftliches Gutachten des Bundestags.
Dennoch macht es einen Unterschied ums Ganze, sich wie besagte Trottel der „LINKEN“ eindeutig für Maduro zu positionieren!
Aber derlei moralische Entgleisungen reihen sich in dieser Partei ein in eine unsägliche Tradition, wie 2011 das Gratulationsschreiben Klaus Ernsts und Gesine Lötzschs anlässlich des 85. Geburtgas der „Maximo Lidér“ Fidel Castro belegt. Alles, was sich auch heute noch, annähernd 30 Jahre nach Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus, auf diese antikapitalistische Staatsform beruft, erfährt in nicht geringen Kreisen dieses politischen Milieus eine gewisse Sympathie (Nordkorea vielleicht ausgenommen).
Die kaum vorhandene mediale Empörung ob dieser Tatsache generiert einen weiteren, dahinter liegenden Skandal. Man stelle sich einfach nur einmal vor, einflussreiche Politiker der AfD solidarisierten sich mit dem Massenschlächter Baschar Al-Assad… uuups, da war doch tatsächlich mal was!

Die mit den Grauen Wölfen heulen? Reflexionen zum Verhältnis der #unteilbaren Linken zum Scharia-Islam

Oktober 26, 2018

„Solidarität statt Ausgrenzung“, „Für Toleranz“, „Bunt statt Braun“… alles hehre Parolen, die da am 13. Oktober von ca. 240.000 Menschen durch die Straßen Berlins schallten und unzählige Transparente zierten.

Unter dem Hashtag „unteilbar“ zogen so viele Demonstranten wie seit den Pro-Saddam-, äh Anti-Irakkriegs-Protesten 2003 nicht mehr durch die deutsche Hauptstadt. Und in der Tat: Die offenbar munter voranschreitende Radikalisierung großer Teile der „Merkel muss weg“-Bewegung, insbesondere der AfD gibt Anlass zu großer Sorge; deren Thüringer Fraktionschef Höcke fantasiert mittlerweile in der Migrationsdynamik der kommenden Jahre den größten Zivilisationsbruch in der Geschichte des deutschen Volkes herbei. Die Wählerklientel der „Alternative“ scheint´s nicht zu stören; im Gegenteil, erreichte die AfD mit 10,2 % jüngst in Bayern einen mehr als beachtlichen Erfolg, berücksichtigt man die übergroße Konkurrenz seitens des – häufig genug rechtspopulistisch agierenden – Platzhirsches CSU!
Das Problem ist nur komplexer: Die offene Gesellschaft befindet sich längst von zwei Seiten in die Zange genommen: Neben den Rechtspopulisten mit ihrer als Islamkritik getarnten Muslimfeindlichkeit etablieren sich seit 9/11 mehr und mehr Vertreter des politischen Scharia-Islam. Die Reaktion weiter Teile der politischen Linken darauf: ohrenbetäubendes Schweigen – wenn nicht gar eine saftige Diffamierung des Botschaftsüberbringers als „islamophob“ oder „rassistisch“! Es gilt noch immer das berühmte Tucholsky-Wort:
„Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.“
Auf der anderen Seite haben wenigstens Teile linker Bewegungen wie die jüngst durch Berlin ziehende #unteilbar-Demo keinerlei Berührungsängste mit Repräsentanten des legalistischen Islamismus-Spektrums wie dem Zentralrat der Muslime (ZdM) und dessen mit den türkischen Ultranationalisten in Verbindung gebrachter Unterorganisation ATIP. Die komplette Liste der Erstunterzeichner des Demo-Aufrufs findet sich hier.

Das brillante, da immer wieder gegen den denkfaulen Zeitgeist gebürstete Debattenmagazin „Cicero“ kritisiert die #unteilbar-Initiatoren zudem dafür, als Globalisierungsgewinner die Sorgen und Nöte von deren Verlierern (die früher als „Arbeiterschaft“ bekannte untere bis mittlere Mittelschicht) zu vernachlässigen. Stattdessen verzettele man sich im Engagement für noch so kleine Minderheiten oder auch nur gefühlte Benachteiligungen.

Und so sehr mensch als originär Linksliberaler mit gehörigen rationalen Vorbehalten gegenüber dem politischen Islam dem allzu bunten Treiben eher vorsichtig distanziert zuschaut, so verblüffend reflektiert erscheint doch die Stellungnahme der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung (GBS), die sich nach einigem Hin und Her für die Teilnahem an der #unteilbar-Demo entschieden hat. In deren Stellungnahme heißt es u.a.:

„Hätten vor 70 Jahren nur jene Nationen die ‚Allgemeine Erklärung der Menschenrechte‘ unterzeichnen dürfen, welche die Menschenrechte wirklich achten (gesinnungsethische Position), so wäre es gar nicht erst zu der UN-Erklärung gekommen. Dadurch dass die UN-Charta aber ab dem 10. Dezember 1948 in der Welt war, kam es zu markanten Veränderungen in der internationalen Politik (selbstverständlich gingen diese Veränderungen nicht weit genug, aber das heißt keineswegs, dass wir sämtliche Fortschritte seit 1948 einfach ignorieren dürften). Worum es in diesem Zusammenhang geht, hat Ludwig Marcuse einmal sehr schön in Worte gefasst (und sein Satz weist, wie wir meinen, den Weg, wie man mit dem Bekenntnis des ZdM zur offenen Gesellschaft in verantwortungsethischer Weise umgehen sollte): ‚Es ist besser, das Gute steht nur auf dem Papier – als nicht einmal dort.'“

Man muss der GBS zugute halten, dass sie maßgeblich bei der Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime, der Kritischen Islam-Konferenz und der Säkularen Flüchtlingshilfe beteiligt war – wovon sich große Teile der politischen Linken ein dickes Stück abschneiden sollten!
Bleibt abschließend zu hoffen, dass sich die Religionskritiker in Zukunft gerade auch innerhalb ihres eigenen politischen Herkunftsmilieus kräftig Gehör zu verschaffen wissen.
Um es mit dem langjährigen ARD-Algerienkorrespondent Samuel Schirmbeck zur linken Blanko-Toleranz sagen:

„Eine Projektionsfläche linker Ideologie ist auch der Islam insgesamt, den genauer zu betrachten die Linke für unnötig hält, hat er doch mit dem, was seit zwanzig Jahren in seinem Namen passiert [gemeint ist der Jihad-Terror, M.H.] ’nichts zu tun‘. Die internationalen Geheimdienste und die muslimischen Aufklärer wissen es besser.“
Samuel Schirmbeck: Gefährliche Toleranz. Der fatale Umgang der Linken mit dem Islam. Zürich 2018, S. 49.

Alle reden von Nazis auf (ost-)deutschen Straßen, keiner von denen im Schloss Bellevue!

September 19, 2018

Langsam klingt der mediale Empörialismus um die Vorgänge in Chemnitz und Köthen ab – Zeit, ein wenig Licht in die Nebelschwaden bundesdeutscher Diskurstabus zu bringen:

Anstatt sich in Detaildiskussionen darüber zu verlieren, ob in Chemnitz anlässlich einer AUCH von Rechtsradikalen besuchten Demo von einer „Hetzjagd“ auf Migranten gesprochen werden müsse, gilt es, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren:
Ja, insbesondere der Osten Deutschlands hat ein gravierendes Problem mit Menschenverachtung / Rassismus. Ja, neben Thüringen gilt auch Sachsen als rechtsextreme Hochburg.
Diese offensichtliche Binsenweisheit darf, ja muss in aller Offenheit ausgesprochen und skandalisiert werden. Und natürlich handelt es sich deshalb bei der Mehrheit der dortigen Bewohner nicht um Rassisten! Dass diese Tatsache immer wieder extra betont werden muss, zeigt einmal mehr, auf welch erbärmliches Niveau sich der bundesdeutsche politische Diskurs stellenweise sofort begibt, wenn es um tatsächliche oder vermeintliche Nazis geht: Es wird hyperventiliert, was das Zeug hält, wenn genaue Differenzierung vonnöten wäre!
Umso wohltuender ist es da, einmal einen im wahrsten Wortsinn coolen Kommentar lesen zu können: René Zeyer schreibt in der Online-Ausgabe der Basler Zeitung:


„Der Spiegel weiss es mal wieder ganz genau: ‚Wer die AfD wählt, wählt Nazis.‘ Die ansonsten zurückhaltende Frankfurter Allgemeine Zeitung beobachtet einen ‚Lynchmob‘, die Süddeutsche Zeitung sieht die Lage in Chemnitz ‚ausser Kontrolle‘, hier gehe es um einen ‚Kampf um Herzen und Köpfe‘, und die Ereignisse im ­ehemaligen Karl-Marx-Stadt sind bereits im Abklingbecken der deutschen Talkshows unterwegs.
Wie immer liegt ein Hauch von Weimar in der Luft, herrscht Pogromstimmung, erinnern sich viele Kommentatoren an 1933, kurz vor der Machtergreifung Hitlers, als wären sie dabeigewesen.“

Und während sich gefühlt halb Deutschland darüber die Köpfe einschlägt, ob der Chef des Inlandsgeheimdienstes ob seiner umstrittenen Äußerungen zum Chemnitzer Geschehen zurücktreten solle, gerät eine deutlich wichtigere Frage beinahe völlig aus dem Blick:
Was ist eigentlich von einem Staatsoberhaupt zu halten, das hochrangige Vertreter einer schiitisch-islamistischen Organisation zu sich ins noble Schloss Bellevue einlädt und ihnen somit von Staatsseite höchste Weihen angedeihen lässt? So geschehen Ende April dieses Jahres. Kein geringerer als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) ließ es sich nicht neben, führende Köpfe des Dachverbands schiitischer Gemeinden Deutschlands (IGS) zum Gespräch zu bitten, was diese natürlich dankend annahmen.
Eines ihrer Vorstandsmitglieder ist der Wiesbadener Unternehmensberater und SPD-Politiker Dawood Nazirizadeh, über dessen Verbindungen zum schiitisch-iranischen Umfeld des klerikalfaschistischen Mullah-Regimes der iranische Oppositionelle Kazem Moussavi berichtet.
Auch das RBB-Politikmagazin „Kontraste“ nahm sich der Causa IGS im Zusammenhang mit dem antisemitischen Al Quds-Marsch im Juni in Berlin an.
Besonders pikant: Bundespräsident Steinmeier kam nicht nur auf die glorreiche Idee, als Gastgeber der IGS-Delegation zu fungieren, sondern rührte auch Anfang September kräftig die Werbetrommel für das medial ohnehin tausendfach beworbene „Wir sind mehr!“-Konzert von Chemnitz. Ein Konzert, bei dem auch die linksradikale Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ auftrat – eine verbalradikale Idiotentruppe, die sich nicht entblödet, offen Gewalt gegen Polizeibeamte zu propagieren: „Die nächste Bullenwache ist nur ein (sic!) Steinwurf entfernt“ heißt es da z.B. in ihrem Song „Wut“.

Informationen zu Parteiausschluss-Diskussionen gegen die sauberen Herren Nazirizadeh oder gar Steinmeier liegen mir bis heute nicht vor!

Von N-Wörtern und Zwangs-N-jungferten: die Schattenseiten der Political Correctness

Juni 29, 2018

Welche absurden Blüten die Political Correctness (PC), gerade auch im Hinblick auf Gender-Aspekte, mittlerweile bisweilen treibt, war ja bereits im Januar dieses Jahres Thema auf diesem Blog.

Von daher dürfte es die geneigte Leserin nicht weiter verwundern, davon zu erfahren, dass gerade viele Kulturschaffende anscheinend eine besondere PC-Affinität aufweisen dürften.
Das jedenfalls legt ein Blick auf das Berliner Theatertreffen 2017 nahe: In dem dort zur Aufführung anstehenden Stück von Claudia Bauer („89/90“) wurde seitens des Intendanten per Überrumpelungstaktik unmittelbar vor Beginn der Inszenierung durchgesetzt, dass der Neonazi-Darsteller seinem farbigen Kontrahenten das sog. N-Wort („Neger“) nicht ins Gesicht sagen durfte. Stattdessen musste besagtes „N-Wort“ durch ein gesprochenes „Beep“ ersetzt werden!

Man mag derlei Albernheiten getrost lächelnd beiseite schieben, hätte die Political Correctness nicht ab und an absolut traumatische Konsequenzen für ihre Opfer. Opfer, die es eigentlich gar nicht geben dürfte, ist die Grundhaltung der PC doch löblicherweise darauf ausgerichtet, Menschen für sprachliche Diskriminierungen zu sensibilisieren und damit die Zahl der Diskriminierten zu reduzieren – und „Neger“ stellt für Farbige (pardon: „Persons of Colour“) nun einmal seit geraumer Zeit eine heftige Beleidigung dar. Dass selbst der berühmte Martin Luther King in seiner legendären „I have a dream“-Rede von „Negroes“ spricht, sei einmal dahingestellt.

Aber zurück zu den Opfern der PC: Vor vier Jahren wurde in der englischen Kleinstadt Rotherham ein ungeheures Kartell des Schweigens aufgedeckt, ein Kartell aus Polizei, Stadt und weiteren Behörden, welches den massenhaften sexuellen Missbrauch junger Mädchen über viele Jahre unter den Teppich kehren konnte. Der Grund für die langjährige eiserne Verschwiegenheit: Man wollte sich nicht dem Rassismusvorwurf aussetzen, schließlich waren die Täter mehrheitlich Pakistanis! Auch die überregionale deutsche Medienlandschaft berichtete damals recht ausführlich über den Fall Rotherham, gut anderthalb Jahre, bevor auch Deutschland in Form der zunächst zögerlich-relativierenden Berichterstattung über die Kölner Silvesternacht 2015/16 im Fokus der Schattenseiten der PC-Bewegung stehen sollte.

Die Ereignisse in beiden Städten werden auch von Daniel Ullrich (Forscher für Medieninformatik) und Sarah Diefenbach (Wirtschaftspsychologin, beide an der LMU München) in ihrem erfrischend aufklärerischen Werk „Es war doch gut gemeint. Wie Political Correctness unsere freiheitliche Gesellschaft zerstört“ aus dem Jahr 2017 thematisiert.
Darin behandeln beide Wissenschaftler u.a. Strategien der Verweigerung eines rationalen Diskurses, die sog. Dirty Discussion Tactics: diskursive Vorgehensweisen z.B. im Umgang mit zum Outlaw erklärten politischen Gegnern wie der AfD – mit denen die Autoren allerdings nicht sympathisieren:

„Ablenken oder Derailing. Vom konkreten Thema ablenken und auf ein anderes überleiten für das man bessere Argumente hat (z.B. ‚Die meisten sexuellen Übergriffe passieren noch im privaten Umfeld!‘).

Whataboutism. Argumente mit dem Verweis auf andere schlimme Taten wegwischen (z.B. ‚Das Christentum hat auch unermessliches leid verursacht!‘).

Strohmann-Argument. Gegen eine Position argumentieren (den Strohmann), die niemand eingenommen hat (z.B. auf die Aussage ‚ Mit den Flüchtlingen im Land steigt auch die Gewalt‘ erwidern ‚Sie können nicht sagen, dass alle Moslems Terroristen sind!‘).

Nebelkerze oder Roter Hering. Taktik, um Zusammenhänge zu verschleiern und den Gegner auf eine falsche Fährte zu locken (z.B. ‚Die meisten Straftaten werden von Deutschen begangen!‘).
Ad-hominem-Argument. Nicht gegen den Inhalt, sondern gegen die Person argumentieren (z.B. ‚Frau XY stammt aus dem Umfeld von Björn Höcke, ihr kann man nicht vertrauen!‘).

[…] Keulen. Besonders diffamierende Äußerungen, die den Gegner in eine negativ assoziierte Schublade sortieren, um ihn mundtot zu machen. Besonders häufige Keulen sind die Nazi-Keule, die Rassismus-Keule, die Sexismus-Keule, die Homophobie-Keule, die Antisemitismus-Keule und die Populismus-Keule. Die Keulen müssen inhaltlich nicht zwangsläufig etwas mit dem Vorwurf zu tun haben (z.B. ‚Nach einem islamistischen Terroranschlag den Islam kritisieren zu wollen, ist Rassismus pur!‘).

Falsche Alternativen. Zwei Alternativen anbieten, von denen eine offenbar nicht erwünscht ist und damit die andere nahelegt, obwohl es eigentlich noch unzählige andere Alternativen gäbe (z.B. ‚Wir müssen die Inzucht Europas verhindern, sonst wird Europa untergehen. Deshalb brauchen wir Migranten aus Afrika.‘).“

Daniel Ullrich / Sarah Diefenbach: Es war doch gut gemeint. Wie Political Correctness unsere freiheitliche Gesellschaft zerstört. München 2017, S. 200.

Eine erste Gelegenheit, auch diese hochproblematischen Punkte der PC anzusprechen, bietet übrigens für Studienräte wie mich das überarbeitet Deutsch-Curriculum für die Gymnasiale Oberstufe (Jahrgang 12 – Halbjahr Q 2), wo das Thema „Sprache und Öffentlichkeit“ behandelt werden kann – mit ausdrücklicher Konkretisierung auf die Political Correctness. Eine Chance, die ich meinem aktuellen Deutsch-Grundkurs nicht vorenthalten habe.