Archive for the ‘Islam’ Category

Schluss mit den hohlen Phrasen! Warum pro-jüdische Solidarität keine Tätergruppe totschweigen sollte

Januar 31, 2020

Der Fall der Berliner Mauer Ende 1989 ist von heute betrachtet mittlerweile länger zurück als es das Ende der brutalen Nazi-Terrorherrschaft war, zum Zeitpunkt, als ich ins Leben trat – im Mai 1974!

Das Ergebnis eines über viele Jahrhunderte gezüchteten Wahns, des Wahns von der Verderbtheit alles Jüdischen, kulminierte in den 1930er und 1940er-Jahren zu einem bis dahin nicht für möglich gehaltenen Menschheitsverbrechen – wohlgemerkt in der für ach so humanistisch-aufgeklärt geltenden Moderne, nicht etwa im sprichwörtlich „finsteren“ Mittelalter!
Auschwitz – dieser Name steht seit Gründung der Bundesrepublik für DAS Symbol dieses Grauens schlechthin, eines menschengemachten Grauens mit seiner millionenfachen, schier unfassbaren Barbarei. Die Befreiung dieses sogenannten Konzentrationslagers durch sowjetische Truppen vor 75 Jahren am 27. Januar 1945 wurde bis vor wenigen Tagen mit einer wahren Flut medialer Berichterstattung begleitet.
Und so selbstverständlich es jedem und jeder Deutschen sein sollte, die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der eigenen Geschichte wachzuhalten, so sollte ebenso klar sein: Nein, die heutigen Generationen tragen keine moralische oder gar justitiable Schuld an all diesen Taten; ihre – unsere – Verantwortung liegt wie gesagt darin, all dies späteren Generationen weiterzutragen und alle Anzeichen eines wie auch immer gearteten Rollbacks der Geschichte genau im Auge zu behalten:
Ja, es gibt leider gar nicht so wenige völkisch-national gesinnte Menschen (ob im Umkreis der AfD oder darüber hinaus), es gibt linke „Antizionisten“, die selten Probleme haben, in Israel „den Juden unter den Völkern“ zu erblicken und als Apartheidsstaat zu diffamieren. Es gibt einen erschütternden Antisemitismus muslimischer Provenienz, der auch vor Gewalttaten z.B. gegen Kippaträger nicht zurückschreckt und es gibt einen „gutbürgerlichen“ Antisemitismus aus der Mitte der Gesellschaft. Ein Antisemitismus à la Möllemann, Hohmann, Walser (falls diese Namen noch geläufig sind!) und all der zahlreichen anderen. Und dies hat nichts mit der vermeintlichen Immunität der israelischen Regierungspolitik gegenüber Kritik von außen – auch von deutscher Seite – zu tun. Kritik an Israel ist solange unproblematisch, solange nicht mit zweierlei Maß gemessen wird. Wer also Netanyahu & Co. anklagt, aber von Hamas & Hisbollah schweigt, ist ein zynischer Heuchler!

Doch zurück zum Auschwitz-Gedenken unserer Tage:
Die aus diesem Anlass von Bundespräsident Steinmeier in der Gedenkstätte Yad Vashem gehaltene Rede ist zurecht kritisiert worden. So äußerte sich der Historiker Michael Wolffsohn wie folgt dazu:

„Es sind zudem die immergleichen Worte, also deren Inflationierung. Damit werden sie wertlos. Kein Wunder, dass kaum noch jemand zuhört. […] Rund ein Viertel der Deutschen hat Migrationshintergrund. Viele sind Muslime. Die bisherige Gedenkkultur Deutschlands richtet sich nur an die Nachfahren der Deutschen, die das NS-Regime miterlebt, getragen und ertragen haben. Als ob etwa die muslimische Welt beim Judenmorden und im Zweiten Weltkrieg nicht mit den Hitler-Banden zusammengearbeitet hätte.“

Wer sich die Rede Steinmeiers im Wortlaut anschaut, der stellt in der Tat die auffällige Häufung der hervorgehobenen Nationalität der NS-Täter fest: Steinmeier geht wieder und wieder darauf ein, dass es *deutsche* Verantwortliche waren, die Auschwitz geplant und umgesetzt haben. Soweit, so korrekt – jedoch ist Wolffsohn in seiner Kritik dahingehend beizupflichten, dass die heutige Dimension des muslimischen Antisemitismus vielfach verharmlost, wenn nicht gleich ganz verschwiegen wird. Es gilt daher das Diktum des „Tagesspiegel“-Kommentators Christoph David Piorkowski:

„Den Islam als antisemitisch zu bezeichnen, ist falsch. Dass Islam und Judenfeindschaft nichts miteinander zu tun haben, ebenfalls.“

In diesem äußerst lesenswerten Artikel geht Piorkowski u.a. auf die anscheinend noch immer weitgehend unbekannte Verquickung zwischen Naziherrschaft und muslimischen Autoritäten insbesondere in Gestalt des damaligen Muftis von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, ein, der die antisemitischen Hasstiraden eines Hitler oder Goebbels mit offiziellem Segen der NS-Staatsführung per Radiosendung in die arabische Welt exportieren konnte. (Näheres dazu z.B. bei Matthias Küntzel: Djihad und Judenhaß).

Wohlgemerkt: Es kann niemals um Schuldabwehr oder dergleichen psychische Abwehrreflexe gehen. All denjenigen, die einen „Schlussstrich“ unter Auschwitz und der Nazi-Zeit wünschen, sie gar zum „Vogelschiss“ innerhalb der deutschen Geschichte herunterpolemisieren, gilt es, klare Kante zu zeigen! Mit einem mantraartigen „Nie wieder Auschwitz!“, „Wehret den Anfängen!“ etc. mit ständigen, undifferenzierten Seitenhieben allein gegen die AfD ist niemandem geholfen; im Gegenteil, eine derartig ausgehöhlte Form der Erinnerungskultur nähert sich mit Siebenmeilenstiefeln dem staatlich verordneten Antifaschismus à la „Arbeiter-und-Bauernstaat“ – die deutschen Juden beobachten es mit zunehmender Besorgnis. Und das zurecht, etwa auch mit Blick auf die zwar als solidarische Geste gedachten, jedoch weitgehend hilflosen Mahnwachen nach dem antisemitischen Terroranschlag von Halle im letzten Oktober. Zudem werden diese freundlichen Gesten mehr als kompensiert durch die alltäglichen Erfahrungen zahlreicher jüdischer Mitbürger (ja, auch so eine Floskel!), die der ARD-Journalist Richard C. Schneider hier resigniert auflistet. Vielleicht ist eine 1:1-Wiederkehr der 1930er-Jahre nicht zu befürchten – schließlich wiederholt sich Geschichte nie im Verhältnis 1:1 – aber die Zeichen stehen auf Sturm. Höchste Zeit also, sich diesem entgegenzustemmen!

„Family structures“ ohne Klartext – die Flüchtlingsthematik im Englischunterricht der hessischen Fachoberschule

November 30, 2019

Dass es sich bei der Flüchtlingsthematik um kein vorübergehendes Phänomen handeln würde, dürfte den meisten Menschen innerhalb der Bundesrepublik schon seit einiger Zeit, spätestens seit dem berüchtigten „Flüchtlingssommer“ 2015 mit all seinen Folgewirkungen wie der Kölner Silvesternacht und diversen Anschlägen/ Anschlagsversuchen Schutzsuchender aus islamisch dominierten Ländern klar geworden sein.

Selbstverständlich hat sich auch die Schulpolitik bereits seit geraumer Zeit des Themas angenommen und bspw. im Bereich der Fachoberschulbildung des Landes Hessen bis einschließlich des Abschlussjahrgangs 2019 im Fach Deutsch u.a. die Behandlung des Themenkomplexes Migration/Integration vorgesehen. Während hier jedoch keine weitergehenden inhaltlichen Spezifizierungen vorgenommen wurden, findet sich im Fach Englisch schon ein klein wenig mehr dazu:
So findet sich unter dem Schlagwort „Society and migration“ („Gesellschaft und Migration“) der Hinweis auf zu behandelnde „intercultural encounters / causes for migration and its effect on society“ („interkulturelle Begegnungen / Migrationsursachen und ihre Einflüsse auf die Gesellschaft“).

Die Umsetzungsempfehlungen (siehe S. 16/17) hierzu legen den Lehrkräften die Thematisierung folgender Aspekte sowie die Anwendung dieser Methoden nahe:

„Schriftliches Verfassen von Dialogen und mündliches Rollenspiel, Diskussionsforen (panel discussion) zum Stichwort: ‚family structures‘, mit Sicht auf ‚relationships, disintegration of families‘.
– Schriftliche Übungen zur Arbeitsform Gelenkte Interpretation (‚guided interpretation‘) unter besonderer Berücksichtigung der Aspekte Personencharakterisierung, Beschreibung der Wechselbeziehung zwischen Atmosphäre, Schauplatz und den Charakteren (‚characterization‘, ’setting‘, ‚atmosphere‘), Wortschatzübungen, Bildbeschreibungen (Kunst, Fotos, akustisches Material), zur Vorbereitung der gelenkten Interpretation.
– Vergleiche von fiktionalen Texten (z.B. short stories, poetry, songs) und Sachtexten aus Printmedien oder populärwissenschaftlichen Darstellungen zum Thema: ‚ageing‘.
– Kreatives Schreiben von Texten, z.B. Leserbriefen an ‚agony aunt‘ (Kummerkasten, ‚asking for advice‘) zum Stichwort: ‚family structures‘, oder Gestalten eines Werbetextes für ein Produkt für sog. ‚best agers‘, zum Stichwort: ‚demographic development‘.
– Mündliche Berichte, Präsentationen zu Traditionen, kulturellen Besonderheiten, Feiertagen, ‚do’s‘ und ‚don’ts‘ durch Schüler verschiedener ethnischer Herkunft zum Stichwort: ‚intercultural encounters‘.
– Übungen zum Erwerb interkultureller Kompetenzen (Interpretation von ‚critical incidents‘; Simulationen und Rollenspiele zu interkulturellen Begegnungssituationen; Übungen zu Selbst- und Fremdwahrnehmung und zum Umgang mit Vorurteilen und Stereotypen).“

Theoretisch ermöglichen diese Vorgaben also durchaus, sich u.a. kritisch mit patriarchalen Geschlechterbildern und freiheitsfeindlichen „family structures“, „do’s“ und „dont’s“ streng-religiöser muslimischer Communitys auseinanderzusetzen. Die wenigen auf Deutsch publizierenden Islamkritiker/innen wie Necla Kelek schreiben sich schließlich seit beinahe zwei Jahrzehnten die Finger darüber wund!

Und wache Beobachter wie Imad Karim machen ebenfalls keinen Hehl daraus, ihre Besorgnis erregenden Erfahrungen – hier mit Teilen der syrischen (Flüchtlings-) Gemeinde in Deutschland – in die Öffentlichkeit zu tragen. Über die drei größten Facebook-Portale syrischer Zugewanderter mit jeweils über 100.000 Nutzern schreibt er:

„Dort traf ich unter denen, die posteten und kommentierten, nahezu ausschließlich auf Leute, die im politischen Islam das Allheilmittel für die Lösung ihrer Probleme sehen. Diese Gruppen werden dominiert von Menschen, die das westliche Lebensmodell regelrecht verachten. Es gab nur selten Kommentare von Syrern, bei denen man sich vorstellen mag, dass sie künftig ein Teil unserer offenen Gesellschaft sein könnten.“

Wie in schroffem Kontrast dazu die Schüler-Erarbeitungen einer hessischen Fachoberschulklasse im Fach Englisch aussehen (entstanden im Oktober 2019), habe ich einmal – verteilt über diesen Beitrag – fotografisch festgehalten (da ich als Deutsch- und Ethiklehrer an dieser Schule arbeite). An keiner einzigen Stelle wird die Islamismus-Problematik auch nur angedeutet, ständig ist von „no racism“, „no prejudices“ (keine Vorurteile) seitens der deutschen Aufnahmegesellschaft die Rede! Offensichtlich ist sich die/der Kollege/-in selbst nicht im Klaren darüber oder traut sich nicht, hier mit den Schülern Tacheles zu reden.

Aber sicher sind meine Erwartungen wieder einmal deutlich überzogen, wenn selbst „Law-and-Order“-Innenminister Seehofer (CSU) trotz seines berühmten „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ nun hiesigen stockkonservativen Moscheegemeinden (denn liberale gibt es spätestens seit der Säuberungsaktion durch Erdogans Religionsbehörde DIYANET mit Ausnahme der Ibn-Ruschd-Goethe-Moschee in Berlin wohl keine mehr) 7 Mio. Euro für die „Stärkung des Zusammenhalts“ spendieren will – von Evaluationsbestrebungen ist mir hingegen nichts zu Ohren gekommen!

Selektive Satirophobie schariakonformer Salonlinker – zur Kritik an der Vergabe des Hedwig-Dohm-Preises an die religionskritische Karikaturistin Franziska Becker

Juni 29, 2019

Eingenässte Päpste, gottlose Ferkel, bombenbewährte Religionsstifter – politische, zumal religionskritische Satire hat hierzulande schon für jede Menge Schlagzeilen und Sendezeit gesorgt – und das nicht nur, wenn dabei der Islam Thema war.

Doch kam im ersteren Fall das Satiremagazin „Titanic“ dank einer zurückgezogenen Anzeige des seinerzeitigen Papstes noch gut weg, und konnten sich auch die Macher des atheistischen „Ferkel“-Buchs gerade noch gegen eine drohende Indizierung aufgrund von Antisemitismusvorwürfen zur Wehr setzen, so waren die Konsequenzen für den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard im Zusammenhang mit dem von ihm gezeichneten „Bombenturban“-Mohammed wesentlich verheerender: Polizeischutz inkl. versuchter Tötung durch einen axtschwingenden somalischen Islamisten zum Jahreswechsel 2010/2011!

Und da es in nicht unbedeutenden Teilen des linksliberalen Hypertoleranz-Milieus seit eh und je zum guten Ton zu gehören scheint, in Muslimen per se die „Verdammten dieser Erde“ (Frantz Fanon), ja eigentlich mehr „Kuscheltiere“ (Ahmad Mansour) als menschliche Individuen zu erblicken, war es tatsächlich nur eine Frage der Zeit, wann die Nachricht von der Vergabe des an die deutsche Feministin Hedwig Dohm (1831 – 1919) erinnernden gleichnamigen Preises an die langjährige EMMA-Karikaturistin Franziska Becker einen Aufschrei bei taz und Konsorten verursachen würde: Hatte sich die zu Ehrende doch erfrecht, in ihren häufig religionskritischen Zeichnungen verschleierte muslimische Frauen in den Fokus zu rücken:
So wirft ihr in der taz-Ausgabe vom 26. Juni Hilal Sezgin etwa vor, es sei falsch, „zu verharmlosen, wie stark nicht nur die Emma, sondern eben auch Becker an der Konstruktion, Verbreitung und Verhärtung eines Klischees mitgearbeitet haben, bei dem so viele ‚linke‘ Feministinnen mit ultrarechten Durchschnittssexisten übereinstimmen: dem Klischee von der scheinbar zwangsläufig unterdrückten, verblödeten, jeder Individualität beraubten kopftuchtragenden Frau.
Immer wieder hat Becker die plattesten Figuren gezeichnet: muslimische Polizistinnen, die mit einer Axt herumlaufen; Richterinnen, die fürs Gebet ständig den Prozess unterbrechen; verhüllte Frauen, die sklavisch ihren Männern folgen.“

Und Jakob Augstein, Herausgeber des FREITAG, erteilt Becker dahingehend eine Lektion in schariakonformer Salonlinkenmanier, ein gelungener Polit-Cartoon habe gefälligst die „Großen klein [zu] machen“ und dürfe nicht „auf die treten, die ohnehin unten sind“.

Wie gesagt: Muslime sind für Augstein automatisch die „Opfer“ einer latent rassistischen Gesellschaft, und laut Sezgins Logik dürfte es übrigens keinerlei Blondinen- oder Ostfriesenwitze oder dergleichen geben, funktionieren diese doch nur aufgrund des unterstellten Klischeecharakters der jeweils Verspotteten. Niemand Ernstzunehmendes käme doch auf den Gedanken, alle blonden Frauen für exakt so dämlich zu halten, wie sie in diesen Witzen dargestellt werden. Und ebenso dürfte wohl auch niemand alle verhüllten muslimischen Frauen für Axt schwingende Killerinnen oder auf das Gebet zwangsfixierte Glaubensmarionetten halten – wobei einem Klischee bekanntlich immer ein Kern Wahrheit zugrunde liegt!

Aber in Bezug auf den Islam bzw. seine politischen Auswüchse haben viele linke Kulturrelativisten diese(n) eben schon seit Längerem quasi unter Artenschutz gestellt. Doch statt die Anzahl der Islamisten in Deutschland dadurch abzuschmelzen, verzeichnet der jüngste Verfassungsschutzbericht für das zurückliegende Jahr 2018 sogar einen Anstieg um knapp 800 auf 26.560.
Und auch, wenn aktuell der mutmaßliche Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und damit die Frage nach den Organisationsstrukturen des Rechtsterrorismus die Debatte beherrscht, so gilt es, gerade dieses Spektrum des Extremismus scharf im Blick der Sicherheitsbehörden, aber auch der Sozialarbeit zu behalten.

Für die Politsatire/das politische Kabarett hierzulande gilt wohl auf unabsehbare Zeit folgende Äußerung eines der wenigen Querdenker dieser Szene, Bruno Jonas:

„Wer den linken Laufstall überschreitet, wird als Abtrünniger behandelt. Logische Argumente spielen dabei keine Rolle. Humor, Selbstironie und Querdenken sind im linksgrünen Bereich nicht erwünscht. […] Ja, ja, ich weiß, wer den Islam kritisiert, ist islamophob. Ich bin vor über 43 Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten, hab nie aufgehört, sie zu kritisieren, aber noch nie hat mich deswegen einer katholophob genannt.“
Quelle: Wolf Reiser: Witzischkeit und ihre Grenzen. In: CICERO 3/2019, S. 23

70 Jahren Grundgesetz und das massenhaft missachtete Selbstbestimmungsrecht muslimischer junger Frauen

Mai 30, 2019

Mit großem Tamtam feierte die staatstragende Funktionärselite in Berlin und Karlsruhe den 23. Mai und mit ihm den 70. Jahrestag des Bestehens des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland.

Eine vortreffliche Gelegenheit also für legalistisch-islamistische Wölfe im Schafspelz, eine der ihren wieder einmal als Repräsentantin eines ach so fried- und toleranzvernarrten Islam in Stellung zu bringen:

So geschehen an besagtem 23.05., als auf Einladung der Gesellschaft für Freiheitsrechte, der Bundeszentrale für politische Bildung sowie der Allianz Kulturstiftung die dem Dunstkreis der Muslimbrüder zugerechnete Aktivistin Kübra Gümüsay ihre Aufwartung machen durfte. Oder wie die – Achtung, Rechtspopulismus – Achse des Guten dazu schreibt:

„Es bleibt mehr als fraglich, was eine Person, die islampolitische, queer-, frauen- und minderheiten-feindliche Strukturen der Milli Görüş durch aktive, interne Teilnahme unterstützt, auf den Feierlichkeiten zum Grundgesetz zu suchen hat.“

Die gute alte Tante Grundgesetz übrigens, welche in Art. 2 klipp und klar festhält:
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Für mich als Studienrat an einer Kaufmännischen Schule mit hohem Migrantenanteil wird dagegen immer mal wieder ersichtlich, dass sogar ein Kratzen an der Oberfläche genügt, um zu erkennen, in welch eklatantem Ausmaß viele muslimische Eltern eben jenes Selbstbestimmungsrecht hauptsächlich ihrer Töchter zu beschneiden trachten – wie ich fürchte, fast immer erfolgreich:
Auch wenn es nicht sehr häufig vorkommt, aber gelegentlich bekomme ich – sei es durch entsprechende Schülerinnen oder andere Kolleg*innen – zugetragen, dass es für diese jungen Frauen absolut unvorstellbar ist, nach dem Abitur zum Zwecke des Studiums oder einer Ausbildung eine eigene Wohnung oder ein WG-Zimmer zu beziehen. Das betrifft beileibe nicht nur Kopftuchträgerinnen! Die Frauen haben gefälligst so lange in der elterlichen Wohnung zu verbleiben, bis ein geeigneter Ehemann gefunden ist – wer in der „genetischen Lotterie“ oder aus anderweitigen zufallsbedingten Gründen eben weniger Glück hat, guckt in die Röhre, sprich: ist zur sexuellen Abstinenz verdammt. In einigen Fällen finden sich auch während der gemeinsamen Schulzeit Pärchen – wohlgemerkt: beide Muslime, jedenfalls soweit mir bekannt -, deren Verbindung allerdings von Seiten der Eltern unerwünscht ist. Die Folge: ein elendes Versteckspiel vor der eigenen Verwandtschaft, dem viele Beziehungen sicher auf Dauer nicht gewachsen sein dürften!

Eigentlich müsste jedem muslimischen Mädchen bei Aufnahme in unsere Schule – oder besser noch: bereits in der Mittelstufe nach Erreichen der Religionsmündigkeit mit 14 Jahren – das Buch „Der Islam braucht eine sexuelle Revolution“ der Rechtsanwältin und feministischen Imamin Seyran Ates als Willkommensgeschenk überreicht werden.
Aber das ist und bleibt in einem Land, in dem weder die Trennung von Religion und Staat noch die erforderliche scharfe Zurückweisung des politischen Islams seitens maßgeblicher Regierungsstellen vollzogen ist, eine völlige Utopie!

„Kultur ohne Worte“: Über verblüffende Ähnlichkeiten fundamentalistischer Parallelgesellschaften

April 30, 2019

Seit meinen ersten Zweifeln an der Richtigkeit der neuapostolischen Glaubenslehre, wobei ich Letztere zwangsläufig seit frühesten Kindertagen eingeflößt bekam, bildet die Beschäftigung mit dem Phänomen Religion mein Lebensthema.

Umso erstaunlicher finde ich es immer wieder, Parallelen zwischen der neuapostolischen (also einer unter vielen christlich-fudamentalistischen) und der (türkisch-)muslimischen Parallelgesellschaft zu entdecken.
Über erstere habe ich aus eigener Anschauung und Schriftmaterial einen tiefen Einblick gewinnen können, in letztere fallen immer wieder kurze Blicke, insbesondere durch Äußerungen meiner Schüler z.B. zur vermeintlichen Unsinnigkeit der Evolutionslehre oder dem Tabu, (als junge Frau) nach dem Abitur unverheiratet eine eigene Wohnung zu beziehen. Mittlerweile habe ich mir natürlich auch Einiges zur Parallelwelt islamisch-fundamentalistischer Prägung angelesen, die uns Erdogan und Saudi-Barbarien sei Dank seit einigen Jahren quasi vor der eigenen Haustür immer mehr scheinbar hirnlose Religionssklaven mit und ohne Kopftuch, mit und ohne langem Bart beschert.

Einen überaus anschaulichen Einblick in jenes düstere Biotop moralinsauren Spießertums vermittelt uns die mit etwas über 30 Jahren sicher zu den jüngeren Schriftsteller/innen auf diesem Gebiet zählende Germanistin und Medienwissenschaftlerin deutsch-türkischer Herkunft, Tuba Sarica. Ihr 2018 erschienenes Buch „Ihr Scheinheiligen! Doppelmoral und falsche Toleranz – die Parallelwelt der Deutschtürken und die Deutschen“ habe ich über die Osterferien studiert und gebe im Folgenden hier nun meine Eindrücke dazu wieder:

Zunächst einmal: Natürlich musste ich in jungen Jahren in einer Hinsicht weitaus weniger Kämpfe mit elterlicher und/oder kirchlicher Autorität ausfechten: Der erste Schritt in die eigenen vier Wände (bei mir mit immerhin knapp 26 Jahren mitten während meines Studiums) stellte absolut kein Problem für mich dar.
Sarica schreibt sehr deutlich: „Die muslimische Kultur ist eine Kultur ohne Worte. Das Schweigen, das die muslimische Gemeinde pflegt, ist ein Schutz vor der Welt. Indem man nicht über unangenehme Dinge spricht, weicht man unangenehmen Fragen und Antworten aus. Um der Frage nach dem Sinn des Lebens aus dem Weg zu gehen, wird ein riesiges Schauspiel veranstaltet. […] Unser Dasein liegt außerhalb unserer Kontrolle, und es würde weniger Geheul geben, wenn wir das akzeptieren und das Beste aus dem Hier und Jetzt machen würden, statt uns mit der Hoffnung auf ein ewiges Leben im Jenseits aufzuhalten.“ (S. 53f.)

Auch in meinem neuapostolischen Herkunftsmilieu (Arbeiterfamilie, allgemein: überwiegend Kleinbürgertum) habe ich eine ähnliche Erfahrung gemacht: Es wird in vielen Familien nicht bzw. kaum über Glaubensinhalte geredet, schon gar nicht kontrovers diskutiert. Und wenn, dann beschränken sich die Unterhaltungen zumeist darüber, die Predigt zu loben – zumeist ohne allzu konkret zu werden. Eine lebhafte Debattenkultur ist also das komplette Gegenteil. Selbstverständlich wird auch die unrühmliche Vergangenheit der NAK bspw. im Dritten Reich oder die sog. „Botschaft“ des Stammapostels J.G. Bischoff familiär nicht kritisch angesprochen, jenes Kirchenführers, der bis zu seinem Tod 1960 verkündete, Jesus werde noch zu seiner Lebzeit wiederkehren und „sein Werk vollenden.“

Außerdem zitiert Sarica ausführlich Immanuel Kant aus dessen berühmter „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ aus der Berlinischen Monatsschrift von 1784. Der deutsche Philosoph definiert darin Aufklärung als „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“, welche wiederum Resultat des „Unvermögen[s], sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“ sei.
Leider habe ich keine Erinnerung mehr daran, wann mir dieses Kant´sche Diktum zum ersten Mal begegnet ist – im schulischen Religions-, Ethik- oder Philosophieunterricht jedenfalls nicht, denn weder das eine noch die beiden anderen besuchte ich in meiner Bremer Schulzeit (von Unterricht in „Biblischer Geschichte“ bis Klasse 6 mal abgesehen, im NAK-Reli- und Konfirmandenunterricht war Kant natürlich absolut undenkbar!).
Jedenfalls haben sich mir die mahnenden Philosophen-Worte nachhaltig eingebrannt, wie ein Stachel mit Widerhaken, der sich nicht mehr aus meinem wissbegierigen und freiheitsliebenden Geist entfernen ließ – zum Glück bis heute!
Auch der stark überhöhte Familienbegriff der deutschtürkischen Parallelgesellschaft, wie von Sarica beschrieben, ist mir aus NAK-Zeiten kein unbekannter: Symptomatisch dafür lautet der Titel des neuapostolischen Hofberichterstattungsblattes, welches alle 14 Tage erscheint, „Unsere Familie“, womit natürlich die weltweite NAK-Community gemeint ist. In dem Zusammenhang erinnere ich mich ebenso an die zahlreichen Zusammenkünfte mit der neuapostolischen Verwandtschaft, vor allem mütterlicherseits (meine Mutter hat drei Brüder, alle mitsamten ihren Familien bis zum heutigen Tag eifrige NAK-Kirchgänger).
Und hier haben wir ein Markenzeichen sämtlicher autoritärer Gemeinschaften weltweit vor uns: Die Betonung des Kollektivs bei gleichzeitiger Abwertung des Individuums („Du bist nichts, das Volk ist alles!“ hieß es zum Extrem gesteigert während der NS-Diktatur bekanntlich).
Schließlich noch die Frage nach der Freiwilligkeit in derartigen Institutionen: Im Zuge der bis heute immer wieder aufflackernden Kopftuchdebatte heißt es ja immer wieder aus dem Munde zahlreicher bekennender Muslimas, sie trügen das Tuch absolut freiwillig und würden nicht unterdrückt. Letzteres bestätigt Sarica sogar, spricht aber von der Selbstunterwerfung der Frauen unter das ultrakonservative Patriarchat, wenn sie – noch so ein Zitat, das sich auf ewig in meinen Geist gebrannt hat – mit Marie von Ebner-Eschenbach konstatiert:
„Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit!“ (S.50)

In nahezu verräterischer Offenheit klingt im Vergleich dazu auch der Sprecher der Neuapostolischen Kirche, Peter Johanning, wenn er sich in der entsprechenden Folge über seine Glaubensgemeinschaft im Podcast secta.fm äußert: „Wir müssen uns ganz schön abstrampeln!“

Übrigens: Der dort in Interviewausschnitten zitierte Aussteiger „Martin“ – das bin ich.

Beglückende Lügen: Hessischer Rundfunk erfindet pazifistischen Islam!

November 24, 2018

Seit Anfang November läuft im wöchentlichen Rhythmus ein vom Hessischen Rundfunk (HR) verantwortetes, auf 24 Folgen angelegtes Funkkolleg unter dem Obertitel „Religion Macht Politik“. In der aktuellen Folge beschäftigt sich Redakteur Stefan Ehlert mit der Weltreligion Islam („Faszinierend und anders“).

Der Beitrag kann wie alle bisherigen hier nachgehört bzw. heruntergeladen werden. Wie leider so häufig in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien ist er gespickt von gravierenden Schönfärbereien. In meiner Antwortmail an den HR nehme ich Bezug auf die Darstellung der Koran-Sure 5,32 bzw. des tatsächlich pauschal behaupteten koranischen Tötungsverbots ab Minute 8:48. Hier die ungekürzte Wiedergabe meiner Mail:

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Sehr geehrter Herr Ehlert, liebe HR-Funkkolleg-Redaktion,

aufgrund gravierender Desinformation innerhalb Ihres aktuellen Funkkolleg-Beitrags zum Islam aus der Reihe „Religion Macht Politik“ schreibe ich Ihnen meine diesbezüglichen Gedanken:

Sie zitieren in Ihrem Beitrag die Koran-Sure 5,32, um sowohl eine islamistische Gewaltlegitimation als auch eine von Ihnen unterstellte islamkritische „pauschale Verunglimpfung einer ganzen Weltreligion“ zu kritisieren.
Selbstverständlich gibt es innerhalb der Islamkritiker-Szene selbst zu kritisierende Tendenzen, da bisweilen eine überkritische Haltung vertreten wird (im Extremfall müsste dann korrekt von Muslimfeindschaft gesprochen werden, wenn nämlich unterstellt wird, Muslime seien quasi von Natur aus gewaltaffin), jedoch suggerieren Sie mit Ihrem „Verunglimpfungs“-Vorwurf, sämtliche Islamkritiker seien unseriös.

Dabei lassen Sie den nicht ganz unwichtigen Hinweis außer acht, dass die Sure 5,32 an „die Kinder Israels“, also die Juden gerichtet ist. Auch thematisieren Sie leider nicht innerislamische Debatten um die Frage, was genau unter „auf der Erde Unheil stiften“ zu verstehen sei.
In islamistischen Kreisen wird bekanntlich bereits derjenige darunter subsummiert, der zum „Abfall vom Glauben“ anstiftet, welches nach unzweideutiger koranischer Aussage „schlimmer als Töten“ (Sure 2,191) aufzufassen sei.

Außerdem hält in diesem Kontext der Islamwissenschaftler Tilman Nagel fest, „dass das in Sure 5,32 ausgesprochene Tötungsverbot, wie der Kontext nahelegt, lediglich die Mitglieder der eigenen Solidargemeinschaft schützt, die durch Blutrache in ihren Reihen bedroht war“ und „bezeichnet daher die Behauptung, dass der Koran ein allgemeines Tötungsverbot enthalte, als ‚Propagandamärchen.'“
Quelle: http://www.transatlantic-forum.org/2014/koran-5-32

Womit wir dann bereits bei der eigentlichen Ungeheuerlichkeit Ihres Beitrag angelangt wären, der zufolge „Islamwissenschaftler […] immer wieder [betonen], dass der Koran das Töten nicht erlaube.“
Die in diesem Zusammenhang relevante Beschäftigung mit der Bedeutung des Dschihad“-Begriffs scheint hier eine klare Sprache zu sprechen, wird von Ihnen jedoch ebenfalls nicht einmal angerissen.
Dazu zitiere ich den aufgrund seiner differenzierten, aber dennoch klar religionskritischen Haltung von mir sehr geschätzten Politologen Armin Pfahl-Traughber:
„Insgesamt ist [im Koran] an 35 Stellen von ‚Dschihad‘ die Rede, lediglich in zwei Fällen in der eigentlichen Grundbedeutung von ’sich abmühen, sich anstrengen‘ und an vier weiteren Stellen in einem so möglicherweise deutbaren Sinne. ‚An allen anderen‘, so die Orientalistin Rotraud Wielandt, ‚d.h. an mehr als 80% der koranischen Fundstellen geht jedoch aus dem Kontext zweifelsfrei hervor, dass das Wort … tatsächlich nichts anderes als ein militärisches Vorgehen bezeichnet, also im Sinne von ‘Krieg führen’ zu verstehen ist. Bei dem heute insbesondere von Muslimen in den europäischen Ländern vertretenen ‚Dschihad‘-Verständnis, das auf die Bemühung um eine bessere Einhaltung der Glaubensmoral abstellt, handelt es sich somit um eine durchaus begrüßenswerte Neuinterpretation. Sie kann sich allerdings weder auf das eigentliche Konzept im Koran noch auf die historische Wirksamkeit stützen.“
Quelle: http://www.gkpn.de/PfahlTr_Islamismus_I.pdf

Mit freundlichen Grüßen
Michael Haß, Mühlheim (Main)

Banker, bleib bei deinem Leisten! Warum Sarrazins zweiter Anlauf in Sachen Islamkritik die Moschee nicht im Dorf lassen kann

August 31, 2018

„Ups, he did it again!“ dürfte sich so mancher Zeitgenosse dieser Tage gedacht haben: Schließlich ist Thilo Sarrazin, Ex-Bundesbanker, Berliner Ex-Finanzsenator und noch immer SPD-Genosse, zurück auf dem Buchmarkt und legt nach acht Jahren in Punkto Islamkritik nach.

Wie damals ist er seinem Hang zur Provokation treu geblieben. Nach „Deutschland schafft sich ab“ raunt er nun von der „Feindliche[n] Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“.

Um es gleich klarzustellen: Wie schon 2010 so werde ich es mir auch dieses Mal ersparen, sein Buch käuflich zu erwerben und mich von daher auf die Meinungen Dritter verlassen. Ganz konkret beziehe ich mich auf den verbalen Rundumschlag aus der Feder von Sonja Zekri von der „Süddeutschen Zeitung“, die Sarrazin etliche handwerkliche Fehler – falsche Jahreszahlen, Namensschreibungen, vor allem aber pauschale Vermischung von (Kutur-)Muslimen und Islamisten – attestiert.
Das Ganze erinnert mich doch arg an „Deutschland schafft sich ab“, wo selbst Intellektuelle, die Sarrazins Islamkritik im Grunde genommen teilten, sich über seine Ausflüge in die Intelligenzforschung (Muslime seien quasi genetisch bedingt kognitiv zurückgeblieben) echauffierten. So schreibt Rafael Seligmann in dem lesenswerten Sammelband „Sarrazin. Eine deutsche Debatte“:

„Seine Provokationslust zieht Sarrazins Argumenten den Boden unter den Füßen weg. Er schildert korrekt Defizite der Immigration aus den islamischen Ländern. Er prangert die Weigerung von deren Vertretern an, die Integration in Deutschland zu unterstützen. Um diese unbestrittenen Fakten hervorzuheben, begibt sich Sarrazin jedoch ohne Not auf das Glatteis einer ungesicherten Intelligenzforschung und argumentiert in Teilen sozialdarwinistisch.“ (S. 112)

Leider werden gerade auch Menschen, denen das nötige Basiswissen zum Islam fehlt, ob seiner Prominenz auch dieses Mal wieder zu Sarrazins Buch greifen. Dabei existieren seriöse Alternativen, auf die man spielend leicht zurückgreifen könnte. Diese erfahren nur bei Weitem kein derartiges mediales Bohei wie das Machwerk des ehemaligen Bundesbankers. Ich denke hier insbesondere an den israelischstämmigen Psychologen Ahmad Mansour und sein vor einer Woche erschienenes Werk „Klartext zur Integration. Gegen falsche Toleranz und Panikmache“.
Zugegeben, ich habe es mir noch nicht besorgt, werde dies jedoch nachholen und zu gegebener Zeit meine Meinung dazu veröffentlichen! Gleiches gilt für den Soziologen Aladin El-Mafalaani und sein „Integrationsparadox. Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt.“

Weil ich also mit dem Lesen nicht nachkomme, bleibt mir vorerst an dieser Stelle nur der Hinweis auf ein Interview mit Ahmad Mansour, welches der Deutschlandfunk jüngst mit ihm geführt hat. Hier ein längerer Auszug daraus:

„Ich glaube, wir müssen erst mal verstehen, was Integration ist, weil ich sehr oft auch in Gesprächen mit Politikern den Eindruck bekomme, die Erwartungen an die Menschen, die zu uns kommen, lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Integration bedeutet Arbeit plus Sprache minus Kriminalität. Nach dieser Definition war Mohammed Atta super integriert in Hamburg – der Attentäter vom 11. September.
Für mich ist Integration erst möglich, wenn ich als jemand, der dazugekommen bin, verstehe, dass das Grundgesetz dieses Landes ein persönlicher Gewinn für mich ist. Das heißt, Gleichberechtigung zu leben, die Meinungsfreiheit zu akzeptieren, die Religionsfreiheit und das bedeutet auch die Freiheit von Religion als einen Gewinn für die Gesellschaft und für mich selber zu verstehen, ist etwas absolut Wichtiges.
Und ich glaube, viele in dieser Gesellschaft haben nicht verstanden, dass man eine Integrationspolitik braucht, wo wir die Menschen gewinnen. Viele Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, bringen Ängste mit. Sie bringen Traumata mit. Sie bringen andere Werte mit, andere Traditionen. Von denen zu erwarten, dass sie über Nacht anders werden, dass sie Grundgesetzpatrioten werden, ist nicht realistisch. Die Frage ist: Wie begleiten wir diese Menschen? Und vor allem, wer diese Menschen begleitet?
Und, wenn ich schaue, dass muslimische Verbände, die eigentlich verantwortlich sind für die Entstehung von Parallelgesellschaften in den letzten Jahrzehnten, dann halte ich das für einen Jahrhundertfehler, dass diese Menschen auf einmal die Aufgabe übernehmen, die Neuankommenden zu integrieren. Und das finde ich fatal. Und da machen die Kirchen mit – aus Angst natürlich auch, die Macht zu verlieren.“

Dass man gesellschaftskritischen Klartext reden kann, ohne dabei der Versuchung populistischer Vereinfachung auf den Leim zu gehen, führt Mansour hier exemplarisch vor: Es sind eben oft die – trotz ihrer prägnanten Rede – leiser daherkommenden Töne in der Integrationsdebatte, die es zu beachten lohnt.
Und so wünscht man sich, ein Sarrazin würde bei aller berechtigten Kritik an den zahlreichen Problemen, die ein reaktionäres Islamverständnis mit sich bringt, die Moschee im Dorf lassen. Religionskritik, ja Aufklärung an sich ist einfach zu kostbar, als dass mit ihr ungestraft reißerisches, von Halbwahrheiten gespicktes Schindluder getrieben werden könnte!

Armin und die Freiheitsfeinde: neue Runde im Islamismus-Appeasement-Karussell

Juli 24, 2018

Dass Politiker ihre Entscheidungen allzu häufig aus wahltaktischen Erwägungen, mitunter gar reichlich desinformiert oder aus einer Mischung aus beidem tätigen, dürfte ein offenes Geheimnis (nicht nur) innerhalb der politischen Landschaft der Bundesrepublik darstellen.

Karikatur-Ditib-Erdogan 

Gerade der Umgang mit den hierzulande lebenden Muslimen und ihen religiösen Organisationen scheint ein besonders beliebtes Betätigungsfeld für derlei faktenresistentes Appeasement abzugeben.
Und so verwundert es nicht, wenn der amtierende CDU-Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslands Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, sich zwar einerseits für ein Verbot des sogenannten „Kinder-Kopftuchs“ ausspricht, andererseits aber keine Probleme damit hat, offiziell in seiner Funktion als Landesvater die Eröffnung eines Moscheeneubaus des türkisch-islamischen DITIB-Verbands zu zelebrieren.

So geschehen im Mai dieses Jahres in der rheinischen Stadt Monheim.
Skandalös genug, dass per deutschem Vereinsrecht die Dominanz einer faschistoiden Auslands-Institution wie der türkischen Religionsbehörde Diyanet unter der Fuchtel des nationalislamistischen Freiheitsfeindes Recep Tayyip Erdogan (AKP)rechtlich kein Problem darstellt!

Nein, Laschet entblödet sich im Rahmen der Moschee-Eröffnung zudem auch noch zu der dümmlichen Aussage: „Hier spielt heute Politik keine Rolle, sondern hier geht es um Religionsausübung, um Weltoffenheit…“ (ab Min. 1:40 in obigem WDR-Video)

Welcherart „Weltoffenheit“ innerhalb der DITIB gefrönt wird, belegt neben zahlreichen Hinweisen auf Antisemitismus, Jihad- und Märtyrerverherrlichung von anderer Seite der Autor Sascha Adamek in seinem aufrüttelnden, wenngleich medial quasi völlig unbeachteten Werk „Scharia Kapitalismus. Den Kampf gegen die Freiheit finanzieren wir selbst“:

„Im Sommer 2016 nahm der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir die wachsende Macht der DITIB zum Anlss für eine umfassende Kritik. [So] bezeichnete er türkische Nationalisten als eine ‚Art türkische Pegida.‘

Der ‚lange Arm Erdogans‘ dürfe nicht nach Berlin, Stuttgart oder München ragen. Özdemir hält das im Bildungswesen für besonders gravierend: ‚Wenn wir unsere Schulen für muslimischen Religionsunterricht über DITIB öffnen, lassen wir zu, dass Erdogans Ideologie im Unterricht in unserem Land verbreitet wird‘, sagte Özdemir, ‚das finde ich unerträglich.'“ (S. 161f.)

Bleibt zu hoffen, dass wenigstens NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) mit seiner an die Adresse der DITIB gerichtetetn klaren Bedingung im Hinblick auf eine mögliche erneute Zusammenarbeit im Bereich des schulischen Islamunterrichts Ernst macht:

„Die Ditib muss sich entscheiden, ob sie eine politische Organisation sein möchte oder eine Religionsgemeinschaft. Wenn sie sich löst von Ankara und als Religionsgemeinschaft tätig ist, ist sie Partner.“

Advent, Advent, der Davidstern brennt! Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen

Dezember 23, 2017

Deutschland ist wirklich ein merkwürdiges Land: Politik und Medien reiben sich nach der Entscheidung Donald Trumps, mit der Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt Ernst zu machen, über den auch hierzulande losbrechenden antisemitischen Furor auf den Straßen Berlins, Frankfurts etc. verwundert die Augen, als hätte es Ähnliches bspw. im Sommer 2014 nach dem letzten Gaza-Krieg nicht bereits in breitem Ausmaß gegeben!

Zur Entscheidung Trumps (die sicher gerade deshalb, weil sie von IHM beschlossen wurde, derart heftige Gegenreaktionen zahlreicher politischer Funktionsträger erfahren hat) hier einige in der Mainstreamberichterstattung häufig zu kurz kommende Einwürfe eines der luzidesten politischen Magazine Deutschlands, dem CICERO.

Wirklich erschreckend jedoch fällt das Urteil des Frankfurter Landgerichts zur Frage der Rechtmäßigkeit des Beförderungsverbots für jüdische Passagiere seitens der Fluggesellschaft Kuwait Airways aus, wobei sich die „Erben der Firma Freisler“ (Henryk M. Broder) hinter der Begründung verstecken, es sei nicht Sache des Gerichts, darüber zu befinden, ob diese in Kuwait Gesetzesrang genießende Antisemiten-Klausel vor „den Bestimmungen der deutschen und europäischen Rechtsordnung Bestand haben könne“.

Das tatsächlich Pervide an der Normalität des hiesigen Judenhasses aber rührt nach wie vor von der jahrzehntelangen Blindheit weiter Teile des linksliberalen Milieus gegenüber der weltanschaulichen Verbohrtheit vieler ihrer für um jeden Preis als schützenswert erachteten muslimischen „Mündel“.

Oder wie Anabel Schunke treffend auf der
„Achse des Guten“
formuliert:

„Nazi ist nicht mehr länger derjenige, der israelische Flaggen anzündet, jüdische Kinder mit Böllern bewirft und an die große jüdische Weltverschwörung glaubt, sondern wer den Islam und die unkontrollierte Zuwanderung kritisiert.“

Doch de Maizière sei Dank ist Hilfe nicht fern: Schließlich hat sich der deutsche Innenminister gerade höchstselbst unmissverständlich der Causa Antisemita angenommen und dekretiert, dass das Problem zukünftig via Outsourcing an die Juden selbst delegiert wird – in Form eines „Bundesbeauftragten für Antisemitismus“.
Symptomatischer hätte diese typische regierungsamtliche Reaktion der Hilflosigkeit auf das in weiten Teilen selbst herangezüchtete Problem des islamischen Kreuzzugs im Westen nicht ausfallen können! In diesem Sinne „Allahu akbar“ und „Frohe Weihnachten“!

„AfD – oh je, oh je!“ – Wie die etablierten Parteien statt inhaltlicher Auseinandersetzung mit dem politischen Islam weiter die Rechtspopulisten stärken

Oktober 31, 2017

Es war so sicher wie das berühmte Amen in der Kirche: Wenn im politischen Deutschland sich jemand öffentlich dazu hinreißen lässt, dem Islam in Bausch und Bogen die Religionsfreiheit abzusprechen, ist dieser Jemand mindestens für die nächsten Jahre eine Persona non grata. Wenn dieser Jemand auch noch AfD-Mitglied ist, zudem noch ein recht prominentes, und sich erfrecht, den Posten des Bundestagsvizepräsidenten für sich zu beanspruchen, natürlich erst recht.

So geschehen bei der konstituierenden Sitzung des 19. Deutschen Bundestags am 24. Oktober: Auch nach dem dritten Wahlgang konnte als einziger Kandidat der AfDler Albrecht Glaser nicht die erforderliche Stimmenzahl auf sich vereinigen.
Nun kann man an der AfD selbstverständlich vieles kritisieren. Die unsäglichen rassistischen Ausfälle insbesondere der Herren Höcke und Gauland sind in der Tat nicht widerspruchslos hinnehmbar. Auch die von Glaser getätigte Forderung nach Aberkennung des verfassungsgemäß existierenden Grundrechts auf Religionsfreiheit (Art. 4 GG) fpür „den“ Islam kann man nur als „unterkomplex“ bezeichnen.
Und genau diese Wortwahl findet Jochen Bittner in seinem erfrischend aus den hierzu publizierten Medienbeiträgen der letzten Tage herausstechenden Beitrag auf ZEIT online („Das Islam-Paradox“):

„Der AfD-Bundestagsabgeordnete Albrecht Glaser hat eine interessante Frage gestellt: Kann für ein Glaubenssystem, das keine Religionsfreiheit gewährt, das Grundrecht der Religionsfreiheit aus Artikel 4 Grundgesetz gelten? Ist das nicht ein Paradox?
Leider hat er darauf eine unterkomplexe Antwort gegeben. ‚Der Islam ist eine Konstruktion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kennt und die sie nicht respektiert. Und die da, wo sie das Sagen hat, jede Art von Religionsfreiheit im Keim erstickt. Und wer so mit einem Grundrecht umgeht, dem muss man das Grundrecht entziehen‘, sagte Glaser im April.
Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt schaffte es, diese intellektuelle Simplizität noch zu unterbieten, indem sie erwiderte, Glaser ‚erkennt das Grundgesetz nicht an‘. Weshalb die Grünen-Fraktion ihn nicht zum Bundestagsvizepräsidenten wählen könne. So sah es die Mehrheit des Parlaments. Glaser fiel am Dienstag dreimal durch, und die Botschaft war klar: Solche Diskussionen wollen wir hier nicht.
Wenn sie der AfD einen Märtyrerstatus verschaffen wollen, sollten die übrigen Parteien im neuen Bundestag nur so weitermachen. Kaum etwas freut und stärkt das Anti-Establishment mehr als angebliche Bannerträger der Freiheitlichkeit, die sich nicht anders zu helfen wissen, als unangenehme Fragesteller als Extremisten zu diffamieren. Nein, liebe Frau Göring-Eckardt: Wer das Vertrauen in die Weisheit der Verfassung aufrechterhalten will, muss sich schon ein Minimum an argumentativer Mühe machen.
Würde man zum Beispiel einer Partei, die ihren Mitgliedern verböte, jemals auszutreten, und ihnen androhte, sie im Falle eines Parteiwechsels zu töten, gestatten, sich auf die Parteienfreiheit des Artikels 21 Grundgesetz zu berufen? Ganz sicher nicht.
‚Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen (…), sind verfassungswidrig‘, heißt es in dessen Absatz 2. Warum gilt dies dann nicht analog für die Religionsfreiheit?

Glaser hat mit seiner empirischen Behauptung ja völlig recht; dort, wo der Islam Staatsreligion ist, gibt es keine Glaubensfreiheit. Und auf Apostasie, den Abfall vom Islam, steht laut Scharia die Todesstrafe.
Nur sollte man etwas genauer wissen, wie Grundrechte funktionieren, und das tut Glaser offenbar nicht.
Die Geltung eines Grundrechts hängt nicht davon ab, wie sein Träger mit diesem Grundrecht umgeht. Sehr wohl eingeschränkt werden kann allerdings die Ausübung eines Glaubens.“

Bittners Kommentar kann ich nur vollumfänglich zustimmen. Die etablierten Parteien und ihre politisch korrekten Scheuklappenträger werden sich von solchen geistreichen Artikeln selbstredend nicht beeinflussen lassen.
OK, Ausnahmen bestätigen möglicherweise die Regel, schließlich gibt es hier und da auch in CDU, SPD & Co. ausgesprochene Kritiker des Scharia-Islams, z.B. die ehemaligen FEMEN-Aktivistin und heutige Christdemokratin Zana Ramadani.
Aber solange dies nur einzelne Rufer in der Wüste des Islam-Appeasement sind und Vorkommnisse wie aktuell an der Uni Hamburg um sich greifen, sehe ich keine grundlegende Besserung. Die dortige Hochschulleitung sah sich genötigt, aufgrund islamistischer Umtriebe einen Verhaltenskodex zur Religionsausübung zu erarbeiten. Da fallen mir nur noch die weisen Worte des ehemaligen Ost-Berliner Großmufti Mohammed Walter Al-Ulbrichti ein: „Niemand hat die Absicht, die Gesellschaft zu islamisieren!“