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„Family structures“ ohne Klartext – die Flüchtlingsthematik im Englischunterricht der hessischen Fachoberschule

November 30, 2019

Dass es sich bei der Flüchtlingsthematik um kein vorübergehendes Phänomen handeln würde, dürfte den meisten Menschen innerhalb der Bundesrepublik schon seit einiger Zeit, spätestens seit dem berüchtigten „Flüchtlingssommer“ 2015 mit all seinen Folgewirkungen wie der Kölner Silvesternacht und diversen Anschlägen/ Anschlagsversuchen Schutzsuchender aus islamisch dominierten Ländern klar geworden sein.

Selbstverständlich hat sich auch die Schulpolitik bereits seit geraumer Zeit des Themas angenommen und bspw. im Bereich der Fachoberschulbildung des Landes Hessen bis einschließlich des Abschlussjahrgangs 2019 im Fach Deutsch u.a. die Behandlung des Themenkomplexes Migration/Integration vorgesehen. Während hier jedoch keine weitergehenden inhaltlichen Spezifizierungen vorgenommen wurden, findet sich im Fach Englisch schon ein klein wenig mehr dazu:
So findet sich unter dem Schlagwort „Society and migration“ („Gesellschaft und Migration“) der Hinweis auf zu behandelnde „intercultural encounters / causes for migration and its effect on society“ („interkulturelle Begegnungen / Migrationsursachen und ihre Einflüsse auf die Gesellschaft“).

Die Umsetzungsempfehlungen (siehe S. 16/17) hierzu legen den Lehrkräften die Thematisierung folgender Aspekte sowie die Anwendung dieser Methoden nahe:

„Schriftliches Verfassen von Dialogen und mündliches Rollenspiel, Diskussionsforen (panel discussion) zum Stichwort: ‚family structures‘, mit Sicht auf ‚relationships, disintegration of families‘.
– Schriftliche Übungen zur Arbeitsform Gelenkte Interpretation (‚guided interpretation‘) unter besonderer Berücksichtigung der Aspekte Personencharakterisierung, Beschreibung der Wechselbeziehung zwischen Atmosphäre, Schauplatz und den Charakteren (‚characterization‘, ’setting‘, ‚atmosphere‘), Wortschatzübungen, Bildbeschreibungen (Kunst, Fotos, akustisches Material), zur Vorbereitung der gelenkten Interpretation.
– Vergleiche von fiktionalen Texten (z.B. short stories, poetry, songs) und Sachtexten aus Printmedien oder populärwissenschaftlichen Darstellungen zum Thema: ‚ageing‘.
– Kreatives Schreiben von Texten, z.B. Leserbriefen an ‚agony aunt‘ (Kummerkasten, ‚asking for advice‘) zum Stichwort: ‚family structures‘, oder Gestalten eines Werbetextes für ein Produkt für sog. ‚best agers‘, zum Stichwort: ‚demographic development‘.
– Mündliche Berichte, Präsentationen zu Traditionen, kulturellen Besonderheiten, Feiertagen, ‚do’s‘ und ‚don’ts‘ durch Schüler verschiedener ethnischer Herkunft zum Stichwort: ‚intercultural encounters‘.
– Übungen zum Erwerb interkultureller Kompetenzen (Interpretation von ‚critical incidents‘; Simulationen und Rollenspiele zu interkulturellen Begegnungssituationen; Übungen zu Selbst- und Fremdwahrnehmung und zum Umgang mit Vorurteilen und Stereotypen).“

Theoretisch ermöglichen diese Vorgaben also durchaus, sich u.a. kritisch mit patriarchalen Geschlechterbildern und freiheitsfeindlichen „family structures“, „do’s“ und „dont’s“ streng-religiöser muslimischer Communitys auseinanderzusetzen. Die wenigen auf Deutsch publizierenden Islamkritiker/innen wie Necla Kelek schreiben sich schließlich seit beinahe zwei Jahrzehnten die Finger darüber wund!

Und wache Beobachter wie Imad Karim machen ebenfalls keinen Hehl daraus, ihre Besorgnis erregenden Erfahrungen – hier mit Teilen der syrischen (Flüchtlings-) Gemeinde in Deutschland – in die Öffentlichkeit zu tragen. Über die drei größten Facebook-Portale syrischer Zugewanderter mit jeweils über 100.000 Nutzern schreibt er:

„Dort traf ich unter denen, die posteten und kommentierten, nahezu ausschließlich auf Leute, die im politischen Islam das Allheilmittel für die Lösung ihrer Probleme sehen. Diese Gruppen werden dominiert von Menschen, die das westliche Lebensmodell regelrecht verachten. Es gab nur selten Kommentare von Syrern, bei denen man sich vorstellen mag, dass sie künftig ein Teil unserer offenen Gesellschaft sein könnten.“

Wie in schroffem Kontrast dazu die Schüler-Erarbeitungen einer hessischen Fachoberschulklasse im Fach Englisch aussehen (entstanden im Oktober 2019), habe ich einmal – verteilt über diesen Beitrag – fotografisch festgehalten (da ich als Deutsch- und Ethiklehrer an dieser Schule arbeite). An keiner einzigen Stelle wird die Islamismus-Problematik auch nur angedeutet, ständig ist von „no racism“, „no prejudices“ (keine Vorurteile) seitens der deutschen Aufnahmegesellschaft die Rede! Offensichtlich ist sich die/der Kollege/-in selbst nicht im Klaren darüber oder traut sich nicht, hier mit den Schülern Tacheles zu reden.

Aber sicher sind meine Erwartungen wieder einmal deutlich überzogen, wenn selbst „Law-and-Order“-Innenminister Seehofer (CSU) trotz seines berühmten „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ nun hiesigen stockkonservativen Moscheegemeinden (denn liberale gibt es spätestens seit der Säuberungsaktion durch Erdogans Religionsbehörde DIYANET mit Ausnahme der Ibn-Ruschd-Goethe-Moschee in Berlin wohl keine mehr) 7 Mio. Euro für die „Stärkung des Zusammenhalts“ spendieren will – von Evaluationsbestrebungen ist mir hingegen nichts zu Ohren gekommen!