Die Leiden der jungen Greta. Über die bizarren Auswüchse des Klimaaktivismus

An die 20.000 Gläubige sollen es gewesen sein, die gestern anlässlich des Besuchs ihrer Prophetin nach Berlin gepilgert sind. Moment mal, werden Sie jetzt vielleicht einwenden: Ist denn schon wieder Kirchentag? Oder feiert Uriella putzmunter ihre leibhaftige Wiederauferstehung? Natürlich weder das eine noch das andere!

Denn bei der neuen „Uriella“ – wenn man so will – handelt es sich selbstverständlich um die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die seit nun schon über einem halben Jahr mit ihrem „Schulstreik für das Klima“ die weltweiten Fridays-For-Future-Proteste ins Rollen gebracht hat, um die Generation der Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft an deren Pflicht zur klimatischen „Weltrettung“ zu erinnern. `Ne Nummer kleiner geht halt nicht im Denken der frommen Öko-Empörialisten…
Und dass das so kindlich wirkende Mädchen in der Tat von vielen Anhängern eines öko-alternativen Lifestyles mit so etwas wie religiöser Inbrunst verehrt wird, hat nicht zuletzt Jan Fleischhauer in seiner Kolumne auf SPIEGEL online („Das erste Buch Greta“) eindrucksvoll belegt.
Was bei dem medialen Hype um die Klima-Ikone Greta dabei etwas ins Hintertreffen gelangte, war die Tatsache, dass sich die Prophetin zu einer zumindest zarten Öffnung gegenüber der zivilen Nutzung der Atomkraft als Waffe gegen die Erderwärmung ausgesprochen haben soll – was von Fleischhauer als einem der prominentesten Ketzer der Ökologismus-Religion natürlich der Bionade-Schickeria in obiger Kolumne genüsslich unter die Nase gerieben wird!
Einer Schickeria, die durch ihren häufig immer schrilleren Moralismus auffällt, jedoch nicht selten das Fahrrad predigt, selbst aber auf große Kreuzfahrt geht, wie jüngst über Ex-Umweltministerin Barbara Hendricks bekannt wurde.
Es ist schon eine bizarre Welt, die sich viele Klimaaktivisten mittlerweile da zusammengebastelt haben. Als Mittvierziger fühle ich mich unwillkürlich an die schrillen Töne im Zusammenhang mit dem Waldsterben und der Atomkatastrophe von Tschernobyl in den 1980er-Jahren erinnert. Wie oft hätte die Welt spätestens bis zum Jahr 2000 nicht untergehen sollen?
Jüngster Auswuchs dieser an Bizarrem wie gesagt nicht armen Bewegung stellt die Forderung der Gymnasiallehrerin Verena Brunschweiger dar: Fordert diese doch in ihrer kürzlich erschienenen Streitschrift „Kinderfrei statt kinderlos“ den Verzicht auf jedweden Nachwuchs zum Schutz des Weltklimas! Ganze 58,6 Tonnen Kohlendioxid spare demnach jeder Mensch pro Jahr an Emissionen ein, sofern er/sie alle Zeugungsplanungen für immer fahren lasse…
Ein derartig idiotischer, da menschenverachtender Blödsinn, dass selbst die linksliberale ZEIT – ansonsten selbstverständlich ganz vorne dabei beim Klimahype – es sich nicht verkneifen konnte, um die von Brunschweiger in die Welt gesetzte Mengenangabe in einem ganzseitigen Artikel als Legende zu entlarven. Denn die von Brunschweiger herangezogene Studie „The Climate Mitigation Gap“ verfahre laut ZEIT-Autor Gregor Walter-Drop unseriös, übernehme sie doch einfach die Klimwawirkung einzelner Verzichtsentscheidungen wie Flugreisen, Fleischkonsum etc. aus diversen Quellen mit voneinander abweichender Berechnungsmethodik und lege die Gesamtemissionen der untersuchten Länder auf jeden einzelnen Bewohner um. Wer also nach Belegen für ideologisierte Wissenschaft sucht, dürfte hier fündig geworden sein!
Und auch wenn es im allzeit hysterischen deutschen Diskursklima des „verkrampftesten Volks der Erde“ (Kramp-Karrenbauer über die Deutschen) kaum durchdringen dürfte: Wir sollten schleunigst zu einer von Rationalität geprägten Debatte zurückkehren (falls es die hier jemals gab):
Nüchterne Aktivisten wie der dänische Politologe und Statistiker Björn Lomborg haben bereits vor zwölf Jahren darauf hingewiesen, dass eine kühle Abwägung von Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels vonnöten sind, und selbstverständlich auch die Vorteile einer auf breite Bevölkerungsschichten der Länder des Südens ausgeweiteten Verbrennung fossiler Brennstoffe kein Tabu darstellen darf:

„In der Dritten Welt ist der Zugang zu fossilen Brennstoffen sogar von entscheidender Bedeutung. Rund 1,6 Milliarden Menschen haben keinen Anschluss an ein Stromnetz, was die Entwicklung der betroffenen Regionen erheblich behindert. Zweieinhalb Milliarden Menschen benutzen Biomasse in Form von Holz, Abfall und Dung als Energiequelle für das Kochen und Heizen. […] Diese Lebensweise ist auch eine Ursache für die massive Entwaldung […]. Rund 1,3 Millionen Menschen – zumeist Frauen und Kinder – sterben jährlich infolge der enormen Schadstoffbelastung in Wohnräumen. Eine Umstellung von Biomasse auf fossile Brennstoffe würde die Lebensqualität von 2,5 Milliarden Menschen erheblich verbessern; die jährlichen Kosten in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar würden von Nutzeffekten in der Größenordnung von rund 90 Milliarden Dollar bei Weitem übertreffen. Eine Welt ohne fossile Brennstoffe dagegen würde in den Insustrie- wie auch in den Entwicklungsländern zumindest kurz- oder mittelfristig mittelalterliche Zustände wiederherstellen.“
Quelle: Björn Lomborg: Cool it! Warum wir trotz Klimawandels einen kühlen Kopf bewahren sollten. München 2008, S. 186f.

Zurück zu den enthusiastischen Pilgern (pardon: „Followern“) der eingangs erwähnten Prophetin: Mit wie unterschiedlichen Wertmaßstäben im deutschen Erregungsjournalismus unserer Tage häufig operiert wird, macht ein kleines Gedankenexperiment deutlich: Angenommen, ein Redakteur würde einem jugendlichen „Fridays-For-Future“-Demonstranten vorhalten: „Wieso geht ihr eigentlich für das Klima auf die Straße? Man kommt doch trockenen Fußes durch die Innenstadt!“ Das allgemeine Kopfschütteln, ja der obligatorische mediale Shitstorm wäre vorprogrammiert. Nach dem selben Muster agierten jedoch viele Medienvertreter anlässlich der Ende 2014 aufkommenden PEGIDA-Proteste: „In Dresden gibt es doch kaum Ausländer/Muslime. Wozu also demonstrieren Sie hier?“
Es bleibt mit dem von jedweder Sympathie für rechtspopulistische Positionen abholden Medienwissenscftler Michsel Haller zu konstatieren:

„Die tagesaktuellen Medien sind dazu da, uns über das Geschehen ins Bild zu setzen. Nicht über die Vorurteile der Journalisten, sondern über das, was sich in der Welt ereignet hat, soweit es für uns, die Bürger dieser Gesellschaft, wissenswert ist. Das ist so trivial, dass ich mir blöd vorkomme, dies zu erwähnen.“
Quelle: Michael Haller: Fehler im System. In: CICERO 1/2018, S. 17

In der Hoffnung, dass sich die Erregungsschraube um den Klimawandel nicht noch bis zum letzten Denkbaren weiterdreht: dem Suizid einzelner Aktivisten aus Angst vor der „Klimapokalypse“. Ein bekannter Briefroman Goethes aus dem Jahr 1774 legt beredtes Zeugnis davon ab, wohin einen ein Übermaß an Gefühlsaufwallung in Kombination mit dem Zugang zu Waffen tragen kann…

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Eine Antwort to “Die Leiden der jungen Greta. Über die bizarren Auswüchse des Klimaaktivismus”

  1. Eckhardt Kiwitt Says:

    Zur Erinnerung:

    Vor ca. 40 Jahren war „Waldsterben“.

    Nachdem das Thema ausgelutscht war — die Wälder sind „blöderweise“ immer noch da –, kam „Ozonloch“.

    Das Ozonloch ist, wenngleich in abgeschwächter oder verkleinerter Form, soweit mir bekannt, ebenfalls immer noch da, aber es interessiert kaum mehr irgend jemanden.

    Jetzt ist „Klimakatastrophe“ — jawohl, KATASTROPHE !

    Das Klima ist zwar, seit es dies auf der Erde gibt, also seit ein paar Milliarden Jahren, ständig im Wandel, mal etwas mehr, mal etwas weniger stark — siehe z.B. die Milanković-Zyklen, Vulkanausbrüche u.dgl. — aber jetzt ist es eben nicht nur im Wandel, sondern jetzt ist KATASTROPHE.

    Panikmache ist angesagt — wie einst beim Waldsterben und beim Ozonloch. Differenzierungen sind dabei eher störend.

    It’s politics, stupid — von allen Seiten.

    Der Journalist und Autor Patrick Bahners hat vor einigen Jahren — seinerzeit aus einem ganz anderen Anlass — ein Buch mit dem Titel „Die Panikmacher“ geschrieben.
    Vielleicht wäre es an der Zeit für eine überarbeitete Neufassung.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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