Archive for November 2018

Beglückende Lügen: Hessischer Rundfunk erfindet pazifistischen Islam!

November 24, 2018

Seit Anfang November läuft im wöchentlichen Rhythmus ein vom Hessischen Rundfunk (HR) verantwortetes, auf 24 Folgen angelegtes Funkkolleg unter dem Obertitel „Religion Macht Politik“. In der aktuellen Folge beschäftigt sich Redakteur Stefan Ehlert mit der Weltreligion Islam („Faszinierend und anders“).

Der Beitrag kann wie alle bisherigen hier nachgehört bzw. heruntergeladen werden. Wie leider so häufig in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien ist er gespickt von gravierenden Schönfärbereien. In meiner Antwortmail an den HR nehme ich Bezug auf die Darstellung der Koran-Sure 5,32 bzw. des tatsächlich pauschal behaupteten koranischen Tötungsverbots ab Minute 8:48. Hier die ungekürzte Wiedergabe meiner Mail:

——————————————————————————————————————-

Sehr geehrter Herr Ehlert, liebe HR-Funkkolleg-Redaktion,

aufgrund gravierender Desinformation innerhalb Ihres aktuellen Funkkolleg-Beitrags zum Islam aus der Reihe „Religion Macht Politik“ schreibe ich Ihnen meine diesbezüglichen Gedanken:

Sie zitieren in Ihrem Beitrag die Koran-Sure 5,32, um sowohl eine islamistische Gewaltlegitimation als auch eine von Ihnen unterstellte islamkritische „pauschale Verunglimpfung einer ganzen Weltreligion“ zu kritisieren.
Selbstverständlich gibt es innerhalb der Islamkritiker-Szene selbst zu kritisierende Tendenzen, da bisweilen eine überkritische Haltung vertreten wird (im Extremfall müsste dann korrekt von Muslimfeindschaft gesprochen werden, wenn nämlich unterstellt wird, Muslime seien quasi von Natur aus gewaltaffin), jedoch suggerieren Sie mit Ihrem „Verunglimpfungs“-Vorwurf, sämtliche Islamkritiker seien unseriös.

Dabei lassen Sie den nicht ganz unwichtigen Hinweis außer acht, dass die Sure 5,32 an „die Kinder Israels“, also die Juden gerichtet ist. Auch thematisieren Sie leider nicht innerislamische Debatten um die Frage, was genau unter „auf der Erde Unheil stiften“ zu verstehen sei.
In islamistischen Kreisen wird bekanntlich bereits derjenige darunter subsummiert, der zum „Abfall vom Glauben“ anstiftet, welches nach unzweideutiger koranischer Aussage „schlimmer als Töten“ (Sure 2,191) aufzufassen sei.

Außerdem hält in diesem Kontext der Islamwissenschaftler Tilman Nagel fest, „dass das in Sure 5,32 ausgesprochene Tötungsverbot, wie der Kontext nahelegt, lediglich die Mitglieder der eigenen Solidargemeinschaft schützt, die durch Blutrache in ihren Reihen bedroht war“ und „bezeichnet daher die Behauptung, dass der Koran ein allgemeines Tötungsverbot enthalte, als ‚Propagandamärchen.'“
Quelle: http://www.transatlantic-forum.org/2014/koran-5-32

Womit wir dann bereits bei der eigentlichen Ungeheuerlichkeit Ihres Beitrag angelangt wären, der zufolge „Islamwissenschaftler […] immer wieder [betonen], dass der Koran das Töten nicht erlaube.“
Die in diesem Zusammenhang relevante Beschäftigung mit der Bedeutung des Dschihad“-Begriffs scheint hier eine klare Sprache zu sprechen, wird von Ihnen jedoch ebenfalls nicht einmal angerissen.
Dazu zitiere ich den aufgrund seiner differenzierten, aber dennoch klar religionskritischen Haltung von mir sehr geschätzten Politologen Armin Pfahl-Traughber:
„Insgesamt ist [im Koran] an 35 Stellen von ‚Dschihad‘ die Rede, lediglich in zwei Fällen in der eigentlichen Grundbedeutung von ’sich abmühen, sich anstrengen‘ und an vier weiteren Stellen in einem so möglicherweise deutbaren Sinne. ‚An allen anderen‘, so die Orientalistin Rotraud Wielandt, ‚d.h. an mehr als 80% der koranischen Fundstellen geht jedoch aus dem Kontext zweifelsfrei hervor, dass das Wort … tatsächlich nichts anderes als ein militärisches Vorgehen bezeichnet, also im Sinne von ‘Krieg führen’ zu verstehen ist. Bei dem heute insbesondere von Muslimen in den europäischen Ländern vertretenen ‚Dschihad‘-Verständnis, das auf die Bemühung um eine bessere Einhaltung der Glaubensmoral abstellt, handelt es sich somit um eine durchaus begrüßenswerte Neuinterpretation. Sie kann sich allerdings weder auf das eigentliche Konzept im Koran noch auf die historische Wirksamkeit stützen.“
Quelle: http://www.gkpn.de/PfahlTr_Islamismus_I.pdf

Mit freundlichen Grüßen
Michael Haß, Mühlheim (Main)

Werbeanzeigen