Gesinnungsjournalismus: abgehoben auf´s Abstellgleis?

Dass der Großteil der hiesigen Medienmacher – insbesondere diejenigen der „Meinungsflaggschiffe“ SPIEGEL, ZEIT, Süddeutsche, taz und wie sie alle heißen – politisch klar links-grün verortet ist, zählt zu den offenen Geheimnissen der Branche.

Dass also für diese Leute die zivile Nutzung der Atomkraft oder „der“ Kapitalismus an sich des Teufels sind, während man der „heiligen Kuh“ des Biolandbaus huldigt und diversen erneuerbaren Energien quasi messianische Wirkung auf den ökologischen Zustand des Planeten zuspricht, sollte also nicht wirklich verwundern.
Was mich selbst hingegen an der ganzen Sache verwundert ist die Tatsache, dass ich dies – als querdenkender Linksliberaler mit grüner Seele, aber schon lange nicht mehr mit ebensolcher Parteipräferenz – bereits seit Jahr und Tag als völlige Selbstverständlichkeit hingenommen habe: War ich doch durch diverse Bücher des Autorenduos Dirk Maxeiner und Michael Miersch sowie die Bekanntschaft mit dem unkonventionellen, radikal-liberalen Debattenmagazin „NovoArgumente“ das politische innere Exil gewohnt.

Und trotz meiner medialen „Abgebrühtheit“ war es für mich (und hoffentlich viele weitere Leser) zu Jahresbeginn doch Balsam für die Seele, eine derart präzise Analyse wie diejenige aus der Feder des ehemaligen Journalistik-Professors Michael Haller im CICERO zu lesen. Dieser attestiert zahlreichen politischen Redakteuren weitgehende Freiheit von Sachkenntnis im Umgang mit dem politischen Gegner und belegt dies u.a. anhand der Berichterstattung über die gescheiterten „Jamaika“-Sondierungen Mitte November 2017. Einer Berichterstattung, die zu weiten Teilen von Anfang an keinen Zweifel darüber zugelassen habe, dass FDP-Lindner der Alleinschuldige sei, anstatt sich die Mühe zu machen und die konkreten inhaltlichen Knackpunkte der Verhandlungen offenzulegen.
Als Ursachen für die von Haller ausgemachte übergroße Nähe vieler Journalisten zu den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Eliten des Landes benennt er einen seit den 1990er-Jahren verstärkt auftretenden Journalisten-Typus des Hedonisten ohne moralische Ziele (Kai Diekmann, BILD) sowie eine um sich greifende Entpolitisierung und Konfliktscheu innerhalb der Branche und (jedoch eher marginal) der Druck zur schnellen Nachricht dank schnell rotierender Internet-Medienhatz.

Doch damit nicht genug: Trifft doch der ob dieses Gesinnungsjournalismus vermehrt zu Tage tretende Unmut beileibe nicht nur aus dem AfD-/PEGIDA-Lager nun anscheinend endlich auch auf Widerhall in Teilen der kritisierten Medien selbst:
So ist es aktuell kein geringerer als das (ehemalige?) „Sturmgeschütz der Demokratie“, der SPIEGEL, der sich in Form seines Beitrags „Die Wut der klugen Köpfe“ dem Phänomen widmet, dass mittlerweile nicht gerade wenige Leser des „konservativ-liberalen Milieus“, ergo Professoren, Anwälte, Ärzte etc. von der medialen Bevormundung die Nase voll haben.
Ausdrücklich fordert die SPIEGEL-Autorin Isabell Hülsen dazu auf, die eigenen Medienerfahrungen speziell bezogen auf das eigene Blatt per Leserbrief mitzuteilen. Ist der jahrelange Höhenflug einer abgehobenen Kaste von Gesinnungsjournalisten also im Begriff, auf dem überfälligen Abstellgleis zu landen, um sich an die dringend erforderliche Rundum-Erneuerung zu begeben?

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