„Änder‘ Gegender!“ – Von GesinnungspolizistInnen, „sexistischen“ „Professix“ und einem harmlosen Gedicht

Der Duden definiert den Begriff „Gender“ auf seiner Website wie folgt: „Geschlechtsidentität des Menschen als soziale Kategorie (z. B. im Hinblick auf seine Selbstwahrnehmung, sein Selbstwertgefühl oder sein Rollenverhalten)“

Nun ist natürlich dahingehend kein Problem zu sehen, kleinen Jungen nicht die geliebte Puppe zu entreißen oder ein wenig ungestüm herumtobende Mädchen nicht zu maßregeln, sich gefälligst brav und gesittet zu verhalten.
Schließlich dürfte gerade hierzulande mittlerweile auch dem letzten halbwegs mit Verstande Gesegneten bewusst sein, welche Barbarei ein enthemmter Männlichkeitskult (insbesondere in den „zwölf dunklen Jahren deutscher Geschichte“ 1933 – 45) zu zeitigen vermag…

Problematisch wird die Gender-Thematik erst dann, wenn aus dem durchaus angebrachten Versuch, geschlechtergerechte Sprachsensibilität zu generieren („Liebe Kolleginnen und Kollegen, […]“) eine Ideologie erwächst, die tatsächlich mit vollster Inbrunst davon überzeugt zu sein scheint, selbst offensichtliche biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern negieren und Verhaltensdifferenzen rein auf soziale Konstruktionen zurückführen zu können.
Die Frage nach Sinn und Unsinn von Binnen-I und „Professix“-Anrede für Hochschullehrkräfte an der Leipziger Uni und anderswo einmal dahingestellt: Gänzlich lächerlich machen sich die Verfechter des Gendermainstreamings dann, wenn die Abbildung einer Hirschbrunft in einer Broschüre des Nationalparks Eifel mit dem Argument kritisiert wird, diese fördere „stereotype Geschlechterrollen“ und habe deshalb im Druck herausgenommen zu werden.

Welche fundamentalistische Intoleranz die Debatte bisweilen angenommen hat, zeigt ein aktueller Fall aus der deutschen Hauptstadt: So berichtet das ZDF-Kulturmagazin „Aspekte“ in seiner Ausgabe vom 26.01.2018 über den bizarren Fall eines Streits um ein großformatiges Gedicht Eugen Gomringers an der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin: Der 2011 mit dem Poetik-Preis dieser Lehranstalt ausgezeichnete Dichter sinniert in seinem nur als harmlos zu beschreibenden lyrischen „Meisterwerk“ in deutscher Übersetzung über „Alleen und Blumen und Frauen / Und ein[en] Bewunderer“.

Die Studierendenvertretung der Hochschule meint allen Ernstes, Frauen erführen darin eine „Degradierung zu bewunderungswürdigen Objekten, zu schönen Musen“ und setzte die Leitung der Hochschule unter Druck – mit Erfolg, das Gedicht soll demnächst übermalt werden!
Eine ähnliche Argumentation übrigens wie die Sympathisanten einer möglichst umfassenden Verschleierung weiblicher Reize, wie ich finde!

Wer das Ganze auch jetzt noch als alberne Posse bar jeden Erregungswerts betrachtet, dem sei außerdem eine zumindest kurze Beschäftigung mit dem „Fall Münkler“ angeraten:
Der seit 2015 von einer anonymen (!) Kritikergruppe (Weblog „Münkler Watch“) regelrecht gestalkte, renommierte Politologe der Berliner Humboldt-Uni, Herfried Münkler, muss sich seitdem vorhalten lassen, „Sexist“ zu sein. Eines seiner „Vergehen“? Er hatte in einer Vorlesung die Tatsache, dass Frauen hierzulande bis 1977 von ihren Ehemännern an der Ausübung eines Berufs gehindert werden konnten, lediglich als „eigentlich ungeheuerlich“ bezeichnet, wobei der Zusatz „eigentlich“ von besagten Kritikern als Verharmlosung sexistischen Verhaltens angekreidet wurde.

Nun maße ich mir nicht an, in dieser Angelegenheit ein finales Urteil sprechen zu können, zumal sich mein Wissen über den „Fall Münkler“ auf einige wenige Medienberichte wie diesen hier (und oben verlinkten „Aspekte“-Beitrag, der die Geschehnisse um Münkler jedoch nur streift) beschränkt.

Dennoch stehe ich voll und ganz zu meiner Forderung:
Wer sich als politische Gesinnungspolizei aufspielt und meint, Menschen mundtot machen zu müssen, die sich mit ihren Äußerungen im Rahmen der Meinungsfreiheit bewegen, bekämpft kein Problem, sondern stellt selber ein Problem dar!

Ich vermute, es sind häufig die selben Leute, die auch emanzipatorische Islamkritik als „Islamophobie“ oder potentiell segensreiche Entwicklungen wie den per gentechnischer Verfahren Vitamin-A-angereicherten „Golden Rice“ dämonisieren, während sie im Gegenzug nur ihre vermeintlich „reine (linksradikale) Lehre“ gelten lassen (vgl. auch meinen Blogeintrag vom Juli 2017 zu den weltanschaulichen Hintergründen einiger G20-Krawalleros!)

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