„Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Kirchentags-Beilage oder fragen Sie Ihren Bundesaußenminister!“

Als ich neulich meine Schüler (Berufliches Gymnasium, 11. Jahrgang, Mehrheit muslimisch) in Ihrer Ethik-Klausur vor die Aufgabe stellte, den wünschenswerten Beitrag von Religion(en) für ein harmonisches Zusammenleben innerhalb der Gesellschaft zu skizzieren, war unisono von religiöser „Toleranz“ und „Akzeptanz“ zu lesen. So weit so gut, schließlich ist in diesen Eigenschaften durchaus einiges an aggressionshemmendem Potential enthalten und daher sind diese so schlecht schon einmal nicht!

Seltsam nur, dass kein einziger Schüler auf die Idee verfiel, auch einmal die Grenzen dieser Toleranz auszuloten, sprich: darauf einzugehen, wie Religionsgemeinschaften die fundamentalistischen Hitzköpfe in ihren Reihen zügeln sollten.

Doch: Wer will es diesen Schülern denn verdenken, bekommen sie doch Tag ein, Tag aus in die Ohren geblasen, wie immens wichtig religiöse „Toleranz“ doch sei, am besten noch mit dem Zusatz garniert, religiös auftretende Gewalttäter (wie kürzlich wieder einmal in Manchester) beriefen sich missbräuchlich auf ihre Religion (sprich: den Islam).
So geschehen aktuell von höchster politischer Warte, will heißen aus der Feder des Bundesreligionsverharmlosungsministers Sigmar Gabriel (SPD), der im Berliner Tagesspiegel verlauten ließ, Phänomene wie das Wüten des „Islamischen Staates“, von „Boko Haram“, aber auch Aggressionen seitens der buddhistischen Mehrheit in Myanmar gegen die muslimische Rohingya-Minderheit belegten, „wie politische und wirtschaftliche Konflikte pseudoreligiös aufgeladen werden und wie Religion als reines Feigenblatt benutzt wird“.
Als „pseudoreligiös“ sind nach dieser „Logik“ dann wohl auch die hasstriefenden Facebook-Kommentare überwiegend syrischer Flüchtlinge muslimischen Glaubens gegenüber einer sich als Atheistin outenden Mitschreiberin zu bezeichnen, von denen der libanesischstämmige Filmemacher Imad Karim berichtet – was prompt mit der Sperrung seiner Facebook-Seite quittiert wurde.

Aufschlussreich auch die Äußerung eines offensichtlich zur Berliner Sehitlik-Moscheegemeinde (DITIB) gehörenden Gläubigen, der dem bundesweit bekannten Islamkritiker Hamed Abdel-Samad und seinen Begleitern anlässlich deren Rundgangs über das Moscheegelände unverhohlen drohte: „Verpisst euch! Hier wird auch bald Frankreich sein!“
Im Übrigen genau die Moscheegemeinde, die in Kooperation mit dem gerade beendeten 36. Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg zum gemeinsamen Fastenbrechen lud!

Da wundert es wohl nur noch die kritischsten Geister, wenn Aufforderungen diverser Politiker, Medienschaffender etc. nach dem bestialischen Massaker an Kindern und Jugendlichen in Manchester darauf abzielen, den Terror mit Liebe, gemeinsamer Trauer und gegenseitigem Zusammenhalt zu beantworten. Vielfach hohle Phrasen, mit denen uns die Toleranz als Allheilmittel verkaufende Politkaste ein weiteres Mal versucht, in den „tausendjährigen Schlaf“ zu wiegen, zu Recht aufkommende Wut und ein Bedürfnis nach Aufklärung der Motive und Hintergründe einer derart barbarischen Mordgesinnung zu unterdrücken, sprich: unsere Gehirne mit Nichtdenker-Floskeln zuzukleistern!
Dabei wusste schon Francisco der Goya, Zeitgenosse der Französischen Revolution und begnadeter spanischer Maler: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer!“

Oder wie Brendan O’Neill so scharfzüngig wie treffend dazu schreibt: „Wenn das Blutbad an Kindern und deren Eltern an einem netten Abend einen nicht wütend macht, macht einen nichts mehr wütend. Dann hat Terrorist hat dich besiegt. Du bist bereits tot.“ (Fehler im Original)

Oder um es mit Henryk M. Broder, einem Mann, der seiner Zeit sehr häufig um Lichtjahre voraus geeilt ist, auszudrücken:
„Wir erleben, wie eine liberale Gesellschaft mit ihren eigenen Waffen geschlagen wird, an ihrer eigenen Toleranz zugrunde geht. […] Ich halte Toleranz für keine Tugend, sondern für eine Schwäche – und Intoleranz für ein Gebot der Stunde.“
Weise Einsichten, die Broder nicht etwa nach Manchester, den Charlie Hebdo- oder Bataclan-Attentaten geäußert hat, sondern vor beinahe zehn Jahren! Ein Gabriel, Maas oder eine Göring-Eckhardt werden auch in den nächsten zehn Jahren, vermutlich nicht bis an ihr Lebensende zu dieser luziden Einsicht gelangen!

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