Donalds moralischer Dualismus düpiert Denker und Dummbeutel

Keine zwei Wochen im Amt, schon setzt die fleischgewordene präsidiale Hirnlosigkeit aus dem Weißen Haus bereits – wie im Wahlkampf angekündigt – alles daran, denjenigen Teil der Welt, der noch über einigermaßen Hirnschmalz verfügt, mittels zahlloser Regierungsdekrete zu düpieren. Aber auch die ewig beleidigten, da strenggläubigen „Empörialisten“ (der muslimischen Welt) sehen sich in ihrem Verfolgungswahn einmal mehr bestätigt.

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Die Rede ist natürlich von Donald Trumps jüngst verhängtem Einreisestopp für Menschen aus mehrheitlich muslimisch geprägten Staaten: Syrische Flüchtlinge trifft es dabei härter (nämlich auf unbestimmte Zeit) als Personen mit irakischem, iranischem, sudanesischem, libyschem, somalischem, jemenitischem Pass sowie alle Syrer ohne Flüchtlingsstatus (zunächst befristet auf drei Monate).
Man braucht wahrlich keinen Studienabschluss in Politik- oder Islamwissenschaften, um sich auszumalen, dass diese präsidiale Glanzleistung das Misstrauen, ja den Hass auf „den“ Westen in den entsprechend indoktrinierten islamischen Fundamentalistenkreisen weltweit anstacheln wird.
Wie aber sähe eine wohlüberlegte, im Sinne einer (säkular-)humanistischen Grundhaltung geprägte Migrationspolitik aus? Sicher ganz anders, als Menschen per Generalverdacht in Angehörige „böser“ Staaten (out-group) und ihnen entgegengesetzte Inhaber „guter“ Staatsbürgerschaften“ (in-group) einzuteilen!
Der Philosoph und Geschäftsführer der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), Michael Schmidt-Salomon, schreibt dazu:

„Ein zentraler Unterschied zwischen dem alten Paradigma des moralischen Dualismus und dem neuen Paradigma des ethischen Monismus besteht darin, dass sie im Hinblick auf die Identitätsbildung unterschiedliche Ebenen fokussieren: Das Paradigma des moralischen Dualismus war seit jeher darauf ausgerichtet, die Gruppenebene zu stärken […]. So galt es als ‚anständig‘ und ’sittlich‘, ein ‚guter Deutscher‘, ein ‚guter Türke‘, ein ‚guter Christ‘, ein ‚guter Muslim‘ zu sein. Das Paradigma des ethischen Monismus hingegen schwächt die Bedeutung der Gruppenebene ab. Stattdessen tritt die Ebene der einen Menschheit in den Vordergrund, die vor der Herausforderung steht, bessere, freiere und gerechtere Verhältnisse für alle zu schaffen, sowie die Ebene des Individuums, das frei und selbstbestimmt über sein eigenes Leben verfügen kann.
Was bedeutet dies konkret? Nehmen wir als Beispiel die Integrationspolitik in Deutschland, die man aus der Perspektive des ethischen Monismus wohl eher als ‚Desintegrationspolitik‘ bezeichnen müsste. Der Grundfehler dieser Politik bestand darin, dass sie die Individuen auf vermeintlich stabile ethnische oder religiöse Gruppenidentitäten reduzierte (anfangs war es
der Türke, später dann der Muslim), was die Emanzipation des Einzelnen behinderte und die Entwicklung von Parallelgesellschaften förderte. Eine klügere Politik hätte einer solchen Stärkung von Gruppenideologien von Anfang an entschieden entgegengewirkt. Sie hätte aufgezeigt, dass ‚Integrationspolitik‘ heute vornehmlich als ‚Emanzipationspolitik‘ verstanden werden muss, da es eben nicht darum gehen kann, ‚fremde Kulturen‘ in eine wie auch immer geartete ‚deutsche Kultur‘ zu integrieren, sondern den einzelnen Individuen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.“
Quelle: Michael Schmidt-Salomon: Die Grenzen der Toleranz. Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen. München/Berlin 2016, S. 142.

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