„Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich!“ – Zur Anfälligkeit religiösen Denkens für (rechts-)populistische Abwege

Sie poltern gegen kritische Stimmen zur Pegida-Bewegung, faseln hinsichtlich ihrer politischen Gegner über „Gesinnung von HJ-Pöbel“ oder gar vom „Recht auf Widerstand“ gemäß Art. 20, Abs. 4 Grundgesetz: mehr oder weniger prominente Christen mit einem gehörigen politischen Drall nach Rechtsaußen:

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Matthias Matussek, Wolfgang Ockenfels, Peter Winnemöller und wie sie alle heißen.

Auch auf einschlägigen rechtskonservativen Demonstrationen wie dem „Marsch für das Leben“ (alljährlich im September in Berlin stattfindende Anti-Abtreibungs-Kundgebung) oder der „Demo für alle“ (in unregelmäßigen Abständen insbesondere in Stuttgart beheimateter Protest gegen „Genderwahn und Frühsexualisierung“) trifft man ihre Anhänger.

Da verwundert es nicht, dass auch rechtspopulistische Strömungen wie Pegida sowie deren politischer Arm, die „Alternative für Deutschland“ (AfD) für viele von ihnen zur geistigen Heimat geworden sind.

Und auch wenn ihre Kirchenoberen anlässlich dieser unappetitlichen Märsche die Lichter des Kölner oder Erfurter Doms ausschalten lassen; die stramm-konservative Gesinnung der aufrechten Christen ficht das zumeist nicht an – im Gegenteil, fühlt man sich in seiner an Paranoia grenzenden Opferrolle anscheinend pudelwohl. So schreibt die selbst katholische, jedoch Pegida- und AfD-kritische Juristin und Journalistin Liane Bednarz (Mitautorin von „Gefährliche Bürger. Die neue Rechte greift nach der Mitte“) in der FAZ zu den Gründen dieser „unheiligen Allianz“ aus Rechtspopulisten und ultrakonservativen Christen:

„Der katholische Publizist Andreas Püttmann macht dafür ein lange verinnerlichtes Freund-Feind-Denken verantwortlich – und die Neigung, sich selbst als Opfer zu bemitleiden.“

Leider geht Frau Bednarz bei ihrer Suche nach den Ursachen für dieses radikale Gedankengut nicht weiter in die Tiefe. Vielleicht ist sie in dieser Hinsicht ein wenig unbedarft, vielleicht mag sie sich auch aufgrund ihres eigenen „religiösen blinden (Wahrnehmungs-)Flecks“ nicht weiter damit befassen, aber Tatsache ist nun einmal:

Dichotomes Gedankengut ist ein weit verbreiteter Bestandteil der Grundlage des christlichen Glaubens, der Bibel! Hier wird die Welt immer wieder munter in Freund und Feind, gläubig und ungläubig eingeteilt, dass es nur so eine „Freude“ ist.

Kostprobe gefällig? Ein Blick auf bspw. diese Website (dort unter dem Menüpunkt „Biblische Moral“) sollte genügen, damit sich auch dem friedensbewegten liberalen Protestanten oder Linkskatholiken die Nackenhaare kräuseln…

Schließlich habe ja auch der „Heiland“ Jesus Christus höchstselbst verkündet: „Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich.“ (Matthäus 12,30)

Und wieder einmal zeigt sich: Religiöse Fundamentalisten nehmen ihre „heilige Schrift“ i.d. Regel wörtlicher und damit (leider) auch ernster als ihre rosinenpickenden Mitbrüder und -schwestern aus der Wischiwaschi-Glaubensfraktion. Nicht gerade ein Grund zur Beruhigung…

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich an dieser Stelle eine populismusfreie Advents- und Weihnachtszeit, egal ob Sie sich als gläubigen oder „religiös unmusiklaischen“ Menschen sehen!

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