Archive for September 2016

Mehr Säkularismus wagen, Herr de Maizière!

September 29, 2016

Deutschen Spitzenpolitikern lässt sich bekanntlich in den seltensten Fällen eine allzu distanzierte Haltung gegenüber der organisierten Religion nachsagen. Und so verwundert es nicht, wenn der deutsche Innenminister Thomas de Maizière (CDU) allen Ernstes den konservativen Islamverbänden hierzulande die Mitverantwortung für eine gelingende Integration muslimischer Flüchtlinge zuschieben will.
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Wohlwissend, dass zu diesem illustren Kreis auch die Islamisch-türkische Union der Anstalt für Religion (DITIB) zählt, dem maßgeblich von der türkischen Religionsbehörde Diyanet beeinflussten „Wolf im islamistischen Schafspelz“.
Dem NRW-Innenministerium fiel dieser obskure Verein (bzw. dessen Kölner Ableger) unlängst in Ungnade, nachdem ein den Märtyrertod verherrlichender Comic aufgetaucht war (siehe obigen Link). Die Folge: NRW beendet die Zusammenarbeit mit der DITIB in Bezug auf das Deradikalisierungsprogramm „Wegweiser“, welches Jugendliche von den salafistischen Rattenfängern fernhalten möchte.
Hört man sich nun auch noch beim in Deutschland lebenden „Ali-Normal-Muslim“ auf der Straße um, kommt man aus dem Stirnrunzeln (oder mehr) gar nicht mehr heraus: Laut einer Studie des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Uni Münster wurden vor wenigen Monaten u.a. folgende Daten erhoben:

„47 Prozent [der Befragten] halten die Befolgung der Islam-Gebote für wichtiger als die deutschen Gesetze. Ein Drittel meint, Muslime sollten zur Gesellschaftsordnung aus Mohammeds Zeiten zurückkehren. 36 Prozent sind überzeugt, nur der Islam könne die Probleme der Zeit lösen. Prof. Pollack betonte, der Anteil derer mit verfestigtem fundamentalistischem Weltbild liege immerhin bei 13 Prozent.“

Natürlich bin ich mir im Klaren, dass aus diesen Daten so direkt kein Zusammenhang zum Einfluss von Islamverbänden wie der DITIB abgeleitet werden kann; gleichwohl bleibt ein nicht ganz unbegründetes inneres Unbehagen zurück!
Und so kann ich mich nur den Worten des Philosophen Michael Schmidt-Salomon anschließen, der in einem Essay für den Schweizer Tagesanzeiger allen (muslimischen wie nicht-muslimischen) Flüchtlingen / Fluchtwilligen Folgendes zuruft:

„Dies ist das Land, in dem Ihre Kinder nicht automatisch Juden, Christen, Muslime sind, bloss weil Sie einer dieser Religionen angehören! Dies ist das Land, in dem Sie nicht das Recht haben, an den ­Genitalien Ihrer Kinder herumzuschneiden, weil Sie sich einem archaischen Initiationsritual verpflichtet fühlen! Dies ist das Land, in dem Sie glauben dürfen, was immer Sie wollen, in dem wir Ihren Kindern aber von der Pike auf beibringen werden, dass nur solche Weltanschauungen akzeptabel sind, die die Menschenrechte in vollem Umfang ­anerkennen! Dies ist das Land, in dem Sie behaupten dürfen, die Erde sei erst vor 6000 Jahren erschaffen worden, in dem Ihre Kinder aber schon in der Grundschule die Tatsache der Evolution erfahren! Dies ist das Land, in dem auch Kinder Rechte haben, die Sie nicht übergehen dürfen, in dem Sie es hinnehmen müssen, dass Männer und Frauen, Religiöse und Nichtreligiöse, Hetero-, Homo- und Transsexuelle gleichberechtigt sind, auch wenn Sie in Ihrer emotionalen und kognitiven Entwicklung womöglich so sehr geschädigt wurden, dass Sie diesen einfachen ethischen Gleichheitsgrundsatz nicht nachvollziehen können! Dies ist nicht zuletzt auch das Land, in dem Sie Ihre eigenen Sexualneurosen pflegen dürfen, solange Sie damit niemanden ­schädigen, in dem Ihre Kinder aber rechtzeitig aufgeklärt werden, damit sie die Chance haben, ein freies, selbstbestimmtes Leben zu führen!“

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