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„Spieglein, Spieglein hat´s nicht erkannt!“ – Das Märchen vom missbrauchten Glauben

März 31, 2016

Die älteren Leser/innen werden sich vielleicht noch daran erinnern: In früheren Zeiten eines Rudolf Augstein (fast hätte ich geschrieben: „Gott hab´ ihn selig!“), da verpasste sich Deutschlands führendes Print-Nachrichtenmagazin selbstbewusst den Beinamen „Sturmgeschütz der Demokratie“. In den letzten Jahren kommt mir hingegen das eine und andere Mal der Verdacht, dass der SPIEGEL in mancherlei Hinsicht dem „Volk zu sehr auf´s Maul schaut“, um Luther zu zitieren, und dies dann zu Lasten einer akribischen Recherche geht. Und man daher dem leidigen Auflagen-Diktat hinterherhechelt!

In seiner aktuellen Ausgabe tuten die Hamburger jedenfalls kräftig ins Horn des bestenfalls halbreflektierten Mainstream-Journalismus und titeln unter Einsatz fetziger Bilder religiotischer Knallchargen (Salafisten, Trump, Putin samt orthodoxem Patriarchen Kyrill) „Der missbrauchte Glaube“. Hier deutet sich die Message bereits glasklar an: Religion an und für sich ist gut (oder zumindest nicht per se schlecht), allein der Missbrauch durch irgendwelche Fanatiker stellt das Problem dar. Allein der Schlusssatz bringt die Haltung der Redakteure auf den Punkt: Hier beschreiben sie die Flucht der Bewohner des syrischen Dorfes Dabiq vor den Terrorgangstern des „Islamischen Staates“:

„Ein verwüstetes Geisterdorf in Erwartung der Apokalypse – so kann das Ende aussehen, wenn Mächtige oder Extremisten den Glauben missbrauchen.“

samad_salim

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ja, ich bin mir dessen selbstverständlich bewusst, dass Religion etwas zutiefst Friedliches, Trost- und Hoffnungsvolles sein kann, dass religiöse Musik das Herz durch und durch berühren kann (ich selbst empfinde jedes Mal einen religiösen Schauer beim Hören von Händels Largo!). Aber bitte, bitte, liebe Gläubige, tut euch selbst den Gefallen und lest eure „heiligen Texte“ im Original samt zugehörigem Kontext!
Möglicherweise werdet ihr an der einen oder anderen Stelle vor Intoleranz und apokalyptischem Furor aus dem Schlucken nicht mehr herauskommen (für Anfänger eignet sich z.B. diese Website „hervorragend“ dazu, den christlichen Glauben betreffend).

Was den Islam betrifft, so ist zugegeben die Auswahl potenter Quellen erheblich kleiner. Aber es tut sich etwas auf dem deutschen Büchermarkt. Und an dieser Stelle kann man dem ägyptischstämmigen Politologen Hamed Abdel-Samed wohl nicht genug danken für sein ungeheures Verdienst im Sinne einer innerislamischen Aufklärung! Mag sein, dass er das eine oder andere Mal etwas dick aufträgt (insbesondere was die leichtfertige Anwendung des Faschismusbegriffs auf den Islam betrifft).
Aber nachdem ich soeben sein aktuelles Werk Mohamed. Eine Abrechnung gelesen habe, ziehe ich wirklich den Hut vor diesem Mann!

Der Autor belegt darin anhand gängiger islamischer Quellen, dass Mohammed entgegen der Verleugnungs-Propaganda diverser Islamophiler (Muslime wie Nicht-Muslime) insbesondere in seiner Zeit als Religionsführer und Kriegsherr in Medina (also ab spätestens 624 n.u.Z.) ein intolerantes Regime mafiaähnlicher Struktur aufgezogen hat, an dem sich die Mörderbanden des „Islamischen Staates“ nicht zu Unrecht orientieren! So müssen wir wohl davon ausgehen, dass er mindestens eine weibliche Kriegsgefangene vergewaltigte, nachdem er zuvor ihren Ehemann sowie ihren Bruder ermordet hatte, um sie erst nach dem sexuellen Schändung zu heiraten (die Rede ist von Mohammeds jüdischer Frau Safiyya). Oder die Enthauptung aller männlicher Mitglieder des jüdischen Stammes der Banu Quraiza – wohlgemerkt als reaktion auf die vermeintlichen Verschwörungspläne von maximal einigen wenigen Mitgliedern dieses Clans! (Die Beispiele ließen sich noch eine geräumige Weile fortsetzen…)

Mit anderen Worten: Hier wird Religion von den Islamisten nicht missbraucht, sondern (als eine von mehreren Lesarten) in zwangsneurotischer Weise ausgelebt! Abdel-Samad schreibt:

„Fundamentalismus und Intoleranz sind nicht eine Folge der Fehlinterpretation der Texte, sondern eine Folge ihrer Überhöhung. Die Reform des Denkens beginnt, wenn Muslime es wagen, Mohamed aus dem Käfig der Unantastbarkeit zu entlassen und ihn Mensch werden zu lassen.“
(Abdel-Samad: Mohamed. Eine Abrechnung. München 2015, S. 218f.)

Von alldem lassen die sauberen „Investigativ“-Journalisten des SPIEGEL natürlich nichts verlauten. Aber daran hat man sich ja leider fast schon gewöhnt im Appeasement-Deutschland des Jahres 2016! (Eine kleine Auswahl weiterer Medien, die durch ihre verzerrte Berichterstattung die Sache der Islamisten betreiben, findet sich hier.

Und da die Bluttaten von Brüssel beileibe nicht die letzten Anschläge der ach so missbrauchten „Religion des Friedens“ in diesem Jahr gewesen sein werden, dürfte die nächste Gelegenheit zur Beschäftigung mit diesem leidigen Thema nicht lange auf sich warten lassen. In diesem Sinn: „Hasta la vista, Salafaschista!“

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