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„Im Koran steht: ‚Wer einen Menschen tötet, tötet die ganze Menschheit!'“ – Religion als positives Vorurteil

Januar 30, 2016

Vor Kurzem zeigte ich einem meiner Ethikkurse, diesmal einer Klasse Industriekaufleute, die ARD-Dokumentation Im Netz der Salafisten. In der anschließenden Diskussion herrschte schnell Einigkeit, dass der Islam von diesen Verklärern der „Altvorderen“ (arab. as salaf-as salih), d.h. der ersten drei Generationen der Prophetennachfolger, missbraucht werde, schließlich verbiete der Koran das Töten von Menschen. Eine Meinung, die man hierzulande anscheinend mit der Muttermilch aufzunehmen scheint, geht es doch vielfach darum, Religion generell (oder zumindest den Islam speziell) als Hort des Friedens darzustellen, den es vor Missbrauch aus den eigenen Reihen zu schützen gelte.

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Ich allerdings halte diese Einstellung für hochgradig gefährlich!

Wer sich nur ein wenig mit den Inhalten des Korans beschäftigt, merkt i.d. Regel schnell, dass es sich um einen Steinbruch für Freiheitsfeinde und religiöse Fanatiker handelt! (Ja, für die Bibel gilt dies in ähnlicher Weise, wenngleich das jesuanische Gebot der Feindesliebe (Matthäus 5, 44) es ein wenig verkompliziert.)

Die Basis derartigen Appeasements besteht in Sure 5,32, in der es heißt: „Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne (dass es) einen Mord (begangen) oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat), so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte.“
Der islamkritische Politikwissenschaftler und Ex-Muslimbruder
Hamed Abdel-Samad
schreibt dazu anlässlich des „Charlie-Hebdo“-Attentats vom 7. Januar 2015 in Paris:

„Kaum ein anderer Vers wird aber aus seinem Zusammenhang gerissen wie dieser eigentlich halbe Vers, denn:
1. handelt es sich hier nicht um ein islamisches Gebot sondern um die Wiedergabe eines jüdischen Gebots, und wird gerne von liberalen Muslimen bewusst am Anfang ausgeschnitten.
Der Vers beginnt nämlich mit den Worten: ‚Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Israels vorgeschrieben: Wer einen Menschen tötet….‘
2. Kommt der darauffolgende Vers mit der tatsächlichen islamischen Botschaft und Regelung des Tötens:
‚Der Lohn derer, die sich Allah und Seinem Gesandten wiedersetzen und Unheil im Lande zu erregen trachten, soll sein, dass sie getötet oder gekreuzigt werden oder dass ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden oder dass sie aus dem Lande vertrieben werden. Das wird für sie eine Schmach in dieser Welt sein, und im Jenseits wird ihnen eine schwere Strafe zuteil‘. Fast alle islamischen Kommentatoren sind sich einig, Apostaten, Blasphemiker und Beleidiger des Islam und diejenigen, die Muslime daran hindern, die Botschaft Allahs in die Welt zu tragen seien in diesem Vers gemeint. Auch alle Rechtsschulen verwenden den Vers als Beleg für die Tötung von Abtrünnigen.“

Der religionskritische Philosoph Michael Schmidt-Salomon betont, die „Ungläubigen“ erwarte „laut Koran nicht bloß das ‚ewige Feuer‘, sie werden in der ‚Hölle‘ mit ‚Eiterfluss‘ und ‚Jauche‘ getränkt (Suren 14,16 und 78,25), erhalten einen ‚Trunk aus siedendem Wasser‘ (Sure 6,70), der ihnen die ‚Eingeweide zerreißt‘ (Sure 47,15), werden mit ‚eisernen Keulen‘ geschlagen (Sure 22,21), müssen Kleidungsstücke aus flüssigem Kupfer und Teer tragen (Sure 22,19) und vieles andere mehr. Immer wieder wird im Koran betont, wie sehr Allah ‚die Ungläubigen‘ hasst – sie gelten ihm gar als die ’schlimmsten Tiere‘ (Sure 8,55) – und dass es für den gläubigen Muslim eine heilige Pflicht sei, den Zorn Gottes an ihnen zu vollstrecken (Suren 8,15-16). Eine gute Grundlage für den respektvollen Umgang mit Andersdenkenden ist dies sicherlich nicht.“

Auch hinsichtlich einer seit der Silvesternacht sehr emotional geführten Debatte werden in den letzten Wochen (sogar aus Kreisen der Islamwissenschaft) Stimmen laut, die keine oder höchstens marginale Zusammenhänge zwischen den sexuellen Belästigern von Köln und deren religiöser Sozialisation erkennen wollen. Beispielhaft genannt sei hier das Interview mit der Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus für das ARD-Politikmagazin „Kontraste“.
Darin behauptet diese u.a., weil viele der Täter von Köln im alkoholisierten Zustand fremde Frauen belästigt hätten, könne man die Taten nicht auf deren religiösen Hintergrund zurückführen, was man z.B. bei serbischen Vergewaltigern während des Bosnienkriegs in Bezug auf deren christlichen Hintergrund zu Recht auch nicht getan habe.
Mich erinnert diese Argumentation ein wenig daran, als würde jemand, der ansonsten die Kerndogmen des Christentums vertritt, automatisch kein Christ mehr sein können, wenn er auch nur ein einziges Mal gegen eines der Zehn Gebote (z.B. „Du sollst kein falsch Zeugnis reden“, sprich: nicht lügen: achtes Gebot) verstoßen hat.
Natürlich wäre es falsch, ausschließlich die Religion des Islam als ursächlich für die sexuellen Übergriffe heranzuziehen! Jedoch eine Mitschuld ebendieser Religion gänzlich zu leugnen, erscheint mir in hohem Maße als zumindest naiv. Wer sich mit den sozialen Gegebenheiten in weiten Teilen der muslimischen Welt auseinandergesetzt hat, kommt doch über die Tatsache nicht hinweg, dass der dort kultivierte Jungfrauenwahn, in unheilvoller Kombination mit archaischen „Ehr“-Vorstellungen (welche oft genug auf die sexuelle Keuschheit der Frau vor der Ehe abzielen) und der praktizierten Geschlechterapartheid zu Millionen persönlicher Tragödien nicht gelebter bzw. schadhaft gelebter Sexualität führen!

Aus diesem Grund halte ich wenig von Spielhaus & Co., erinnern sie mich doch an die Überschrift des zweiten Kapitels aus Alexander Kisslers sehr empfehlenswertem Buch „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“. Sie lautet „‚Das hat nichts mit dem Islam zu tun‘: Die Brigade mit den Beruhigungspillen rückt aus“.

Alternativ zu den vielfachen Islam-Appeasement-Versuchen stehen bezüglich der Kölner Sex-Übergriffe folgende Kommentare:

Ahmad Mansour: „Übrig bleibt das Macho-Gehabe“
sowie

Hamed Abdel-Samad: „Das hat auch mit dem Islam zu tun“
.

Und weil man es hierzulande anscheinend auch immer wieder betonen muss: Nein, trotz meiner islamkritischen Haltung bin ich keineswegs PEGIDA- oder AfD-Sympathisant! Dies hieße, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen…

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