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Das Fähnchen stramm im Wind – zum Opportunismus der NAK im „Arbeiter- und Bauernstaat“

März 28, 2015

Dass sozialistische Regime und christliche Gemeinschaften i.d. Regel kein besonders herzliches Verhältnis zueinander pfleg(t)en, gehört heute sicher zum Allgemeinwissensbestand der meisten Bürger. Man denke etwa an die Evangelische Kirche der untergegangenen DDR, welche zu einer Hochburg zivilgesellschaftlicher Gegenkultur gegen den autoritären sozialistischen Ein(heits-)parteienbrei gezählt werden kann.
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Die Tatsache, dass es jedoch gravierende Ausnahmen innerhalb des religiösen Spektrums gab, dürfte vielen – selbst am religiösen Geschehen innerhalb des deutschen Sprachraums Interessierten – unbekannt sein.
Nun, allem Anschein nach haben wir es mit der Neuapostolischen Kirche (NAK) in der DDR mit eben jener Ausnahme-Erscheinung zu tun:

Diese Erkenntnis zu verdanken haben wir insbesondere Olaf Wieland, Mitglied der NAK-Gemeinde Berlin-Weißensee und aktiv im Verein für Freikirchenforschung e.V. Münster sowie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Berlin.
Was dieser in seiner in der Religions-Zeitschrift „Berliner Dialog“ im Herbst 2014 veröffentlichten Ausarbeitung unter dem Titel „Vom Segen gemeinsamer Arbeit“ – Neuapostolische Kirche (NAK) und das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der damaligen DDR veröffentlichte, verschlägt selbst Kennern der Neuapostolischen Kirche mitunter den Atem. So soll Bezirksapostel Wilhelm Pusch als „‚im Auftrag des MfS [Ministerium für Staatssicherheit der DDR] reisender Begünstigter'“ Kontakte bis hin zu deren oberster Leitungsebene in Gestalt von „Stasi-Minister“ Erich Mielke unterhalten haben und der Repräsentativ-Bau des NAK-Gotteshauses Berlin-Lichtenberg 1978/79 (mit 2500 Sitzplätzen) durch ein DDR-Wachregiment erfolgt sein.

Ich will an dieser Stelle die Inhalte von Wielands Beitrag gar nicht groß kommentieren. Nur sei mir bei aller berechtigten Kritik, die nun in der NAK-Kritikerszene ob des an den Tag kommenden opportunistischen Gebahrens der NAK im Verhältnis zur sozialistischen Staatsführung sicher berechtigterweise geäußert wird, der Hinweis gestattet:
Ganz so unchristlich, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, hat sich die Leitung der DDR-NAK nun auch wieder nicht verhalten. Natürlich werden viele nun mit dem biblischen Jesus argumentieren, der schließlich auch gegenüber „den“ heuchlerischen Pharisäern und geldgeilen Geldwechslern im Tempel „klare Kante“ gezeigt habe und daher als politischer Aufrührer mit dem Leben bezahlen musste.
Aber genau hier, an der Schilderung der Todesumstände Jesu „versündigte“ sich die christliche Überlieferung in einer Weise, wie sie fataler nicht hätte ausfallen können: Statt die für die Kreuzigung verantwortlichen römischen Besatzer für die Ermordung des „Gottessohnes“ anzuprangern, schoben die Autoren der Evangelien pauschal „den“ Juden die Schuld in die Schuhe – nicht etwa nur einem kleinen Kreis innerhalb der Tempelpriesterelite (Sadduzäer). Und dies nur, soweit ist sich die Bibelforscherzunft einig, um der eigenen aufstrebenden christlichen Gemeinschaft im Imperium Romanum günstige Startbedingungen zu verschaffen und einer knallharten Verfolgung vorzubeugen (was bekanntlich nur partiell gelang). Die Folgen dessen sind bekannt, ansonsten in jeder Ausarbeitung zur Geschichte des jüdischen Volkes nachzulesen. „Wer Ohren hat, der höre…“

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