Archive for September 2014

„Religion, Religion, die hat immer Recht…“

September 28, 2014

Über kein anderes Thema wurde wohl in den letzten Wochen in den hiesigen Medien so ausführlich und emotional berichtet und diskutiert wie über die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ und die Frage, wie gefährlich „der Islam an sich“ denn nun sei. Gebetsmühlenhaft beteuerten muslimische Vertreter (z.B. Khola Maryam Hübsch in „ZDF login“, vgl. ab Min. 6:04 in folgendem Video-Link) immer wieder, dass der IS mit dem „wahren Islam“ absolut nichts zu tun habe, dass die Radikalen die Religion missbrauchten, Etikettenschwindel betrieben. Da es sich dabei eindeutig um den blinden Fleck muslimischen Selbstverständnisses aufgrund religiöser Indoktrination handelt und ich mich nicht nur als Christentums-, sondern als Religionskritiker verstehe, widme ich meinen monatlichen Blogeintrag einmal in aller Kürze dem Thema Islam.

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Eine zu den muslimischen Beschwichtigungs-Mantras konträre wie kompakte Antwort liefert der liberal-muslimische Psychologe Ahmad Mansour in seinem SPIEGEL-Essay vom 8. September unter der Überschrift „Reinheit, Ehre, Todesverachtung“:
„Wir Muslime müssen damit beginnen, die Ursachen auch bei uns zu suchen. Welche Denkfiguren und Glaubensinhalte werden denn von den Radikalen aufgegriffen und fundamentalistisch überspitzt? Leider kennen wir sie doch fast alle. Auch moderate Imame zelebrieren die Opferrolle von Muslimen, pflegen drastisch und erbarmungslos Feindbilder – böse sind der Westen, die Demokratie, die Schiiten, die nicht praktizierenden Muslime, die Islamkritiker und so fort. Gut sind die eigenen Anhänger, der wahre Islam, die reine Lehre, das blinde Befolgen aller Gebote und Tabus und so fort. Alles, was anders ist, wird abgewertet. Mit der Behauptung, die absolute und einzige Wahrheit zu besitzen – andere Religionsanhänger, etwa evangelikale Fundamentalisten, sind da nicht anders –, geht das Verbot einher, Aussagen zu hinterfragen, kritisch zu denken. Neue, zeitgemäßere Deutungen des Koran, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Geschichte des Islam dürfen weder gelesen noch diskutiert werden. Hinzu kommt das Unterdrücken, Tabuisieren und Schlechtmachen von Sexualität, das besonders bei jungen Männern zu zielloser Aggression führen kann. Das alles ist Teil einer einschüchternden Pädagogik, die mit der Angst vor der Hölle arbeitet und eine Heroisierung des Todes herbeiführt.“

Wer noch ein wenig tiefer in diese Thematik einsteigen möchte, dem sei der Beitrag „Die Islamismuskompatibilität des Islam“ von Armin Pfahl-Traughber ans Herz gelegt.
Zudem kann ich folgende Bücher empfehlen, beide von Autorinnen verfasst, die sich kritisch mit dem Islam befassen, sich aber noch immer als (liberal-)religiöse Muslime betrachten:

Ates: Der Islam braucht eine sexuelle Revolution.
Lale Akgün: Aufstand der Kopftuchmädchen.

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