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Die Fähigkeit der Geisterunterscheidung oder: Logik à la NAK

Juni 29, 2014

Zürich, 13. Mai 2013: Der scheidende Stammapostel Dr. Wilhelm Leber veröffentlicht in seiner Funktion als Leiter der Neuapostolischen Kirche eine Stellungnahme zur unseligen „Botschaft“ Johann Gottfried Bischoffs aus den 1950er-Jahren („Der Herr kommt zu meiner Lebzeit wieder. Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr!“).

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Im Wortlaut heißt es darin: „Die Neuapostolische Kirche hält heute nicht mehr daran fest, dass es sich bei der Botschaft von Stammapostel Bischoff um eine göttliche Offenbarung gehandelt hat. Die Frage der Bewertung der Botschaft bleibt offen; es steht jedem frei, sich sein eigenes Urteil darüber zu bilden. Die Neuapostolische Kirche wird auch nicht mehr von der Begründung Gebrauch machen, der Herr habe seinen Willen geändert.“

Schön und gut, werter Stammapostel a.D., dass Sie sich nach einem endlosen Eiertanz rund um dieses Thema endlich zu derart klaren Worten durchringen konnten.

Die NAK wäre aber wohl nicht die NAK, hätte die Sache nicht einen klitzekleinen Haken: Liest man sich nämlich das Wort zum Monat Juni 2014 unter dem martialischen Titel „Die Waffen des Heiligen Geistes“ durch, so erfährt man (es geht um die in Epheser 6,11 angesprochene göttliche „Waffenrüstung“ für die Gläubigen):
„Zu den Waffen des Heiligen Geistes gehört die Fähigkeit, die Geister zu erkennen und zu unterscheiden, auch wenn diese sich verstellen. Es ist alles das Werk dieser Geister, wenn wir hin und wieder Probleme haben und denken: Ich bin doch ein Kind Gottes, ich bin schon viele Jahre treu, das ist doch nicht richtig, dass ich in Armut leben muss. Da wenden wir die Waffe des Heiligen Geistes an. Wir erkennen die Geister und unterscheiden, was Gottes Wille ist und was deren Vorhaben ist: Gott will, dass wir treu bleiben, auch in Krankheit und Armut.“

Ich hoffe, Sie haben sofort erkannt, werte/r Leser/in, worin der Hase im Pfeffer liegt. Für alle anderen hier noch einmal klipp und klar:
Entweder das neuapostolisch versiegelte „Gotteskind“ befindet sich im Besitz der Fähigkeit zur Geisterunterscheidung oder nicht. Sollte Ersteres zutreffen, wieso hat dann diese Fähigkeit zur Zeit J. G. Bischoffs so grandios versagt, bitteschön? Und besteht nicht die Gefahr, dass heutige „Glaubenswahrheiten“ im Lichte der „fortschreitenden Erkenntnis“ kommender Zeiten irgendwann seitens der Kirchenleitung retrospektiv genauso relativiert bzw. verworfen werden?
Mit anderen Worten: Wer garantiert euch, liebe aktiv Neuapostolischen, dass euer Glaubensfundament tatsächlich auf Stein und nicht auf Sand gebaut ist? Was, wenn der von vielen Religiösen (siehe Ratzinger) so gefürchtete (Glaubens-)Relativismus nicht längst in euren Reihen Einzug gehalten hat? Wie übrigens auch bei den Katholiken, deren damaliger deutscher Papst bekanntlich die „Vorhölle“ (lat. limbus) für ungetauft verstorbene Kinder im Jahre 2007 offiziell für abgeschafft erklärt hat…

Juni 12, 2014

Der Mythos der indischen gv-Baumwollbauern-Suizide