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Von der Partikularethik der Religionen zur Universalethik der Menschheit

März 31, 2014

Zu den häufig verdrängten Tatsachen – nicht nur – der christlichen Religion zählt ihre ausgesprochene Gruppenfixierung, in der Fachsprache auch als „Ingroup-/Outgroup-Denken“ bekannt. Die eigene Gruppe wähnt sich im Besitz der alleinigen Wahrheit, während sich alle anderen doch letzten Endes auf dem Holzweg befinden oder im Extremfall sogar als verachtenswerte Gegner wahrgenommen werden. Wie legte doch bereits der Evangelist Matthäus dem „Gottessohn“ in den Mund: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich, und wer mir nicht sammeln hilft, der zerstreut.“ (Matthäus 12, 30 – Gute Nachricht Bibel)
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Da macht es eigentlich nur einen unbedeutenden Unterschied, ob sich hier eine marginale Endzeitgemeinschaft wie die NAK oder die ungleich größere gesamte Christenheit diese angeblichen Jesusworte zu eigen macht – Überheblichkeit und Intoleranz bleiben nun einmal, was sie sind!

Wie wohltuender fühlt sich der weniger engstirnig aufgelegte Mensch da bei der Lektüre evolutionär-humanistischer Schriften. Und in diesem Metier kommt seit einigen Jahren schon niemand mehr an einem Mann vorbei, den der SPIEGEL einst zu „Deutschlands Chef-Atheist“ adelte: Gemeint ist Michael Schmidt-Salomon, seines Zeichens Philosoph und Geschäftsführer der Giordano-Bruno-Stiftung (GBS).
Mit seinen zahlreichen Werken bereichert er seit nunmehr über zehn Jahren die humanistische Lektürelandschaft, und seine
Schaffenskraft
scheint nicht nachzulassen.
Doch bevor dieser Beitrag zu reiner Lobhudelei ausartet: In seinem letzten Buch Keine Macht den Doofen holte Schmidt-Salomon zum verbalen Rundumschlag gegen alle möglichen menschgemachten Idiotien aus den Bereichen Religion (wie könnte es anders sein!), Wirtschaft, Politik, Medien und Umwelt aus. Doch selbst mir als religionskritischem Kopf ging sein revoluzzerhaftes Dauergepöbel gegen die mit seiner eigenen Wortneuschöpfung so unflätig titulierten „Religioten“ irgendwann auf den Keks.
Dahingegen scheint er in seinem aktuellen Werk Hoffnung Mensch. Eine bessere Welt ist möglich zu geradezu „altersweiser“ Reife gelangt zu sein.
Ich habe das Buch zwar noch nicht durch-, sondern nur einige Seiten angelesen, bin aber recht angetan und möchte der geneigten Leserin an dieser Stelle einen kleinen Appetizer aus dem Vorwort daraus servieren:
Es ist so leicht, Zyniker zu sein. Unendlich viele Gründe sprechen dafür, die Menschheit zu verachten. Man werfe nur einen Blick in die Geschichte. Oder in die Reality-Soaps, die Tag für Taag über unsere Bildschirme flimmern. Haben diejenigen nicht furchtbar recht, die den Menschen als „fatalen Irrläufer der Evolution“ beschreiben? Wäre es nicht ein Segen für die Erde, wenn sie sich endlich von dem „Krebsgeschwür Menschheit“ befreien könnte? Sollten wir dem „Untier Mensch“ auch nur eine müde Träne nachweinen?
Die beste Medizin gegen die vorauseilende Resignation des Zynismus besteht darin, sich an jenen zu orientieren, die die besten Seiten der Menschheit zum Vorschein gebracht haben – und genau darum wird es im Weiteren gehen: Thematisierte mein letztes Buch
Keine Macht den Doofen die unerträgliche Penetranz menschlicher Dummheit in Geschichte und Gegenwart, handelt dieses von der heilenden Wirkung menschlicher Klugheit, von der Güte, dem Einfühlungsvermögen, der Kreativität, durch die sich unsere oft verkannte Spezies eben auch auszeichnet. Denn so seltsam es klingen mag: Von seiner Veranlagung her ist der Mensch das mitfühlendste, klügste, phantasiebegabteste, humorvollste Tier auf dem gesamten Planeten.
Die Natur hat uns ganz besondere Talente in die Wiege gelegt, auch wenn wir es bisher nur selten verstanden haben, diese Talente sinnvoll zu nutzen. Doch wenn dies geschah, kam es zu jenen wunderbaren Momenten, in denen die Natur sich gewissermaßen selbst überschritt. „Mutter Natur“ war dies freilich völlig schnuppe – uns aber sollte es keinesfalls egal sein: Immerhin hat die Evolution Jahrmilliarden gebraucht, um ein Wesen hervorzubringen, das in der Lage ist, den evolutionären Prozess zu durchschauen. Schon allein deshalb wäre es schade um uns, würden wir vorzeitig von der Bühne des Lebens abtreten.“
(S. 7ff.)

Wer nun neugierig geworden ist, den verweise ich auf die Homepage des Buches, wo ihr das komplette Vorwort plus Inhaltsverzeichnis findet.

Bei aller Differenz in religiösen Fragen, die sich in diversen Forendiskussionen hier im Netz immer wieder auftut, empfinde ich Schmidt-Salomons neuestes Werk – bis jetzt – als wohltuend versöhnlich.
Es stellt zugleich eine große Verantwortung, aber auch eine immense Freude für mich dar, Teil einer weltumspannenden Gemeinschaft derjenigen zu sein, die zum Wohle der Unterprivilegierten und Erniedrigten etwas beitragen möchte – und sei es auch nur ein winziges Jota in Form einer Geldspende an die Welthungerhilfe oder einer ähnlichen Einrichtung.