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Politik der religiotophilen Angsthasen

September 28, 2012

„Wir leben in der besten aller möglichen Welten!“ Bis vor Kurzem wäre dieses geflügelte Wort aus dem Munde des großen deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 – 1716) vermutlich bezogen auf das Leben in unserem freiheitlichen Rechtsstaat als mein persönliches Motto durchgegangen. Von ein paar „kleineren“ Unstimmigkeiten wie bspw. einer latent rassistischen Abschiebepraxis abgesehen schien mir die Lage im Großen und Ganzen recht annehmlich.
Auch dass es sich bei einigen unserer muslimischen Mitbürger um potentiell leicht beleidigte Zeitgenossen handelt – geschenkt, schließlich bin ich seit kleinauf durch mein Hineingeborenwerden in die Neuapostolische Kirche (NAK) mit strenger Religiosität vertraut.
Was sich jedoch Mitte September dieses Jahres im Zuge der Hysterie um das antiislamische Mohammedfilmchen aus Kalifornien von Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vernehmen ließ, ist in meinen Augen einfach nur ein Schlag ins Gesicht eines aufgeklärt-liberalen Demokraten: Im Stile eines nur dem „Religionsfrieden“ verpflichteten Zensors wartete der Christsoziale bezogen auf die zur Debatte stehende öffentliche Filmvorführung mit folgender Forderung auf: Dagegen muss man mit allen rechtlich zulässigen Mitteln vorgehen“.

Wie Balsam auf die geschundene Seele wirkte dagegen das klare Statement aus der Feder des Philosophen und Geschäftsführers der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon auf der Website der Wochenzeitung „Die Zeit“.
„Respekt? Wovor denn?“ fragt der Religionskritiker am 21.09.2012 und nennt u.a. gute Gründe, warum nicht zwangsneurotische Hardcore-Religiöse, sondern gerade areligiöse Menschen allen Grund hätten, sich in ihren „nichtreligiösen Gefühlen“ verletzt zu sehen:

„Die Absurdität der gegenwärtigen Debatte zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Respekt ausgerechnet jenen gegenüber eingefordert wird, die hinlänglich bewiesen haben, dass ihnen jeder Respekt gegenüber Andersdenkenden fehlt. Verwunderlich ist dieses Defizit nicht, wenn man die Heiligen Schriften kennt. So erwartet ‚die Ungläubigen‘ laut Koran nicht bloß das ‚ewige Feuer‘, sie werden in der ‚Hölle‘ mit ‚Eiterfluss‘ und ‚Jauche‘ getränkt (Suren 14,16 und 78,25), erhalten einen ‚Trunk aus siedendem Wasser‘ (Sure 6,70), der ihnen die ‚Eingeweide zerreißt‘ (Sure 47,15), werden mit „eisernen Keulen“ geschlagen (Sure 22,21), müssen Kleidungsstücke aus flüssigem Kupfer und Teer tragen (Sure 22,19) und vieles andere mehr. Immer wieder wird im Koran betont, wie sehr Allah ‚die Ungläubigen‘ hasst – sie gelten ihm gar als die ’schlimmsten Tiere‘ (Sure 8,55) – und dass es für den gläubigen Muslim eine heilige Pflicht sei, den Zorn Gottes an ihnen zu vollstrecken (Suren 8,15-16). Eine gute Grundlage für den respektvollen Umgang mit Andersdenkenden ist dies sicherlich nicht.
Mit Mitgefühl oder gar Respekt dürfen ‚die Feinde Gottes‘ aber auch in der Bibel nicht rechnen. Denn es steht geschrieben: ‚Du wirst alle Völker verzehren, die der Herr, dein Gott, für dich bestimmt. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihnen aufsteigen lassen‘ (Deuteronomium, 7,16-17). Auch im Neuen Testament wird die Bestrafung „der Bösen“ immer wieder in schillerndsten Farben ausgemalt. So verkündet das Matthäus-Evangelium, dass der ‚Menschensohn seine Engel aussenden“ wird, die diejenigen, die „Gottes Gesetz übertreten haben, (…) in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen‘ (Mt. 13,41-43). Nicht besser kommen die Fehl- und Nichtgläubigen bei Paulus weg: Die, die sich weigern, (den christlichen) Gott anzuerkennen, sind, so der Apostel, ‚voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, (…) sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen (…) Wer so handelt, verdient den Tod‘ (Römer 1,28-32).

Doch es kam, wie es kommen musste: Nicht Agnostiker und Atheisten gingen auf die Straße, sondern einmal mehr die Anhänger der Religion der Dauerbeleidigten. Nichts gegen die Inanspruchnahme ihres grundgesetzlich verbrieften Rechts auf Meinungs- und Demonstrationsfeiehit.
Das Perfide jedoch ist: In ihrer „Argumentation“ setzen sich dabei zumindest einige der in ihrem religiösem Empfinden gekränkten Muslime mit den Opfern von Rassismus, Antisemitismus und Sexismus gleich.
Der Syllogismus verläuft dabei wie folgt:
„Beleidigt man Schwarze = Rassismus
Beleidigt man Juden = Antisemitismus
Beleidigt man Frauen = Sexismus
Beleidigt man unseren Propheten & den Islam = Meinungsfreiheit“ (siehe eingebundenes Video im Rahmen des oben verlinkten Artikels aus der „Süddeutschen Zeitung“.)

Was die Demonstranten verschweigen: Niemand – auch nicht der Produzent des inkriminierten Mohammedfilmchens – behauptet im Stile eines Volksverhetzers „Muslime sind unser Unglück!“, stiftet zum Abfackeln ihrer Moscheen an oder zeichnet widerwärtige Karikaturen nach Art des Nazi-Hetzblattes „Der Stürmer“ über sie. Auch die wohl bekannteste der dänischen Mohammed-Karikaturen von 2005, welche den Propheten mit einer Bombe im Turban zeigt, weist ja damit lediglich auf den fatalen – zumindest theoretisch vorhandenen, da durch die knallharte Intoleranz ihrer „Heiligen Schrift“ belegte – Kompatibilismus zwischen orthodoxem Mainstream-Islam und Gewaltanwendung gegen „Ungläubige“ und Apostaten hin.
Und der im Film u.a. zur Sprache gekommene Vorwurf, bei Mohammed handle es sich um einen Kinderschänder, trifft nach heutigen Maßstäben schlicht und ergreifend zu! Wie anders soll man denn jemanden bezeichnen, der eine Neunjährige heiratet und – wie es sich für eine gute Ehe gehört – auch den Geschlechtsverkehr mit ihr vollzieht, wie es der Prophet Mohammed nach recht gesicherter Quellenlage getan haben soll?
Dazu wäre es vonseiten der muslimischen Verbände und der vielen Tausend Gläubigen endlich einmal an der Zeit nachzudenken…